Russen drängen nach Westen
Gazprom will Milliarden in Deutschland investieren

Der russische Gasmonopolist und Schalke-04-Sponsor Gazprom will bis 2020 drei Mrd. Euro in Deutschland investieren. In Mecklenburg und Brandenburg sollen gigantische Gasspeicher entstehen. Deutsche Stadtwerke verschmähen die Russen dagegen derzeit als Kaufobjekte – sie fürchten, dass sie ihnen schon bald wieder aus den Händen gerissen werden könnten.

HB HAMBURG. Zu größeren Projekten in Deutschland gehört die Erkundung möglicher unterirdischer Erdgasspeicher in Hinrichshagen (Mecklenburg-Vorpommern) und Schweinrich (Brandenburg), die auf drei Jahre angelegt ist. Das Unternehmen bekräftigte, dass auch ein Einstieg ins Stromgeschäft angestrebt sei. Im brandenburgischen Eisenhüttenstadt ist der Bau eines Gaskraftwerks für 400 Mill. Euro geplant, das bis 2010 in Betrieb gehen und zunächst Strom an Industriekunden liefern soll.

Der Einstieg in den gesamten deutschen Endkunden-Markt sei dagegen „erst einmal auf Eis gelegt“, sagte der Geschäftsführer der deutschen Konzerntochter Gazprom Germania GmbH, Hans-Joachim Gornig, am Dienstag in Berlin. Zur Begründung verwies er auf die derzeitige energiepolitische Diskussion um eine stärkere Regulierung und eine verordnete Trennung von Netzen und Produktion. „Wir haben die Sorge, dass wir erst investieren und uns dann enteignen lassen müssen“, sagte er auch mit Blick auf entsprechende Aktivitäten von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und Energiekommissar Andris Piebalgs.

Die derzeitige politische Diskussion habe das Unternehmen als Investor verunsichert. Die „Regulierungswut“ der Politik könne „zu immer mehr Planwirtschaft“ führen. In den vergangenen Monaten war wiederholt über einen Einstieg des russischen Gaskonzerns bei deutschen Energieversorgern spekuliert worden. Neben Stadtwerken war dabei auch die RWE AG in den Blickpunkt gerückt. Die Spekulationen waren unter anderem durch den Einstieg von Gazprom in das Sponsoring des Fußballclubs FC Schalke 04 angeheizt worden.

Die Konzernführung in Moskau hatte wiederholt Interesse an direkten Gaslieferungen an private Haushalte und Industriekunden in allen wichtigen westeuropäischen Märkten bekundet. In Deutschland beliefert der Konzern zurzeit vor allem die Ferngasunternehmen und ist über die Wingas GmbH - einem Joint Venture mit der BASF-Tochter Wintershall - im Gasgeschäft aktiv.

Trotz des milden Winters konnte Gazprom Germania 2006 ihren Erdgasabsatz um 37,5 Prozent auf 395 Mrd. Kilowattstunden erhöhen. Der Umsatz kletterte um 87 Prozent auf 6,15 Mrd. Euro, das Jahresergebnis wurde auf 383,5 (Vorjahr 182,4) Mill. Euro mehr als verdoppelt. Geschäftsführer Gornig sagte bei der Bilanzvorlage, die Zahlen reihten sich „würdig ein in die übrigen Ergebnisse des Gazprom-Konzerns“. Gazprom Germania habe in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr einen neuen Höchststand beim Jahresergebnis verbucht. „Dynamik und Wachstum“ kennzeichneten das derzeitige Geschäft.

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