Russen geben mehr Geld für westliche Neuwagen als für eigene Autos aus
Ausländische Autohersteller fahren der russischen Industrie davon

Ausländische Autohersteller fahren in Russland auf der Überholspur. Mit 4,8 Mrd. Dollar bringen importierte PKWs in diesem Jahr erstmals mehr Umsatz als Fahrzeuge russischer Hersteller. Der russische Autohändlerverband hat sogar Verkäufe von 7,6 Mrd. Dollar errechnet. Lada & Co setzen dagegen nur 4,3 Mrd. Dollar um.

mbr HB MOSKAU. Diese Zahlen der Moskauer Investmentbank UFG-Deutsche belegen einerseits eine Erhöhung des Lebensstandards in Russland. Andererseits zeigen die gestiegenen Umsätze russischer Autokonzerne wie AvtoVaz (Marke: Lada), GAZ (Wolga) oder UAZ bei stagnierender Produktionszahl, dass die einheimische Industrie ihre Preise erhöhen konnte – weil wegen der wachsenden Nachfrage auch die Importeure ihre Preise hoch schraubten.

Zugleich konnten Marken wie Ford, Toyota oder Huyndai ihre Absätze – wenn auch noch im unteren fünfstelligen Bereich – verdoppeln oder verdreifachen. Dabei ist der Russland-Verkauf gerade für die leidende deutsche Autoindustrie lukrativ: Während Autohändler nach Angaben von Ford in Europa eine Marge von ein bis zwei Prozent erreichten, sind es bei Opel-Händlern in Russland 6,3 Prozent. Bei Nissan sind es sechs Prozent und bei Renault-Händlern immer noch 3,6 Prozent. Insoweit verwundere, warum nicht gerade in Europa angeschlagene Marken wie Opel, Volkswagen oder Fiat aggressiver in Russland Umsatz generierten, meinte ein Moskauer Autohändler gegenüber dem Handelsblatt, der ungenannt bleiben wollte, weil er andere Firmen vertritt.

Angesichts des wachsenden Marktes wollen Hersteller wie Renault, Volkswagen, Toyota und Daimler- Chrysler künftig in Russland produzieren. Bislang hat nur Ford ein eigenes Werk für Focus-Modelle bei St.Petersburg. BMW, Kia und der GM-Hummer werden bei einem Kaliningrader Hersteller montiert. Hyundai hat eine kleine Montagefertigung, Kia produziert bei der russischen Sok-Gruppe, und General Motors baut mit AvtoVaz an der Wolga Chevrolet-Niva- Geländewagen.

Vor allem VW wird seinen ursprünglichen Plan, erst nach Russlands für Ende 2005 erwarteten Beitritt zur WTO im Riesenreich ein eigenes Werk zu bauen, wohl vorziehen müssen, wollen die Wolfsburger den Markt nicht den Koreanern überlassen. Die Nachfrage ist jedenfalls groß. Auf einen Ford Focus müssen Kunden ein halbes Jahr warten, der US-Autobauer erweitert jetzt sein Werk bei St.Petersburg.

Insgesamt sollen in diesem Jahr 100 000 Fahrzeuge internationaler Konzerne aus russischer Fertigung kommen. 2008 soll sich ihre Zahl verdreifacht haben, zwei Jahre später sollen Lada & Co überflügelt werden. Insgesamt wächst der russische Automarkt in diesem Jahr um zwölf Prozent, in den ersten neun Monaten wurden 573 273 russische PKW und 246 000 „Inomarki“ verkauft – wie die Russen ausländische Autos nennen. Modelle von Mazda oder auch Luxuskarossen wie der Maibach oder Bentley sind im Riesenreich sogar so gefragt, dass nicht genügend Westwagen an die Moskwa geschafft werden können. Und die in Russland fertigenden ausländischen Produzenten verlangen inzwischen gar im Gleichlaut mit der heimischen Konkurrenz hohe Schutzzölle gegen Importe.

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