Russisch-Chinesische Kooperation
Neue Konkurrenz für Airbus A 320

Die russische United Aircraft Corporation erwägt ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Konsortium. Beide Seiten stricken zur Zeit an Plänen für neue Passagierflugzeuge. Gemei´nsam könnte sie zunm ernsthaften Herausforderer für Airbus und Boeing werden.

FARNBOROUGH. Der russische Konzern United Aircraft Corporation (UAC) treibt die Entwicklung eines großen Passagierflugzeuges als Konkurrenten für die begehrten Modelle Airbus A 320 und Boeing 737 voran. Er werde mit dem chinesischen Konsortium, das ebenfalls an einem solchen Flugzeug arbeitet, über ein Gemeinschaftsunternehmen reden, sagte der Präsident von UAC, Alexej Fedorow, gestern auf der Luftfahrtschau im englischen Farnborough.

Die UAC ist Ende 2006 als Zusammenschluss mehrerer traditionsreicher Firmen zu einem starken russischen Flugzeughersteller entstanden. Vor einem Jahr beauftragte UAC die Tochter Irkut mit dem Passagierflugzeug-Programm. Der Jet mit dem Namen MC-21 soll 2015 auf den Markt kommen. China hängt den russischen Plänen ein paar Jahre hinterher. Die Fusion zweier Flugzeugbauer zur China Aviation Industry Corp. steht bevor. Einen Passagierjet für bis zu 150 Fluggäste soll 2020 auf den Markt kommen. Anders als die russische Industrie sind die Chinesen noch nicht auf dem Branchentreff in Farnborough.

„Wir wollen mit unseren chinesischen Kollegen über die Möglichkeit eines Joint Ventures verhandeln“, sagte Fedorow. „Wir prüfen, ob es eine Chance gibt, diese zwei Programme in eines zusammenzuführen.“ Es sei aber zu früh, um über ein Ergebnis zu spekulieren. Es gebe Unterschiede, was Herangehensweise und Zeitplan anbelange. Eins sei klar: UAC wolle als Systemintegrator die Schlüsselrolle beim Bau des Flugzeugs. Der russische Staat unterstützt das Projekt, indem er rund die Hälfte der gut sechs Mrd. Dollar Investitionen in den MC-21 bereit stellt. Der Rest soll von Privatinvestoren kommen. Fedorow hofft, dass auch Zulieferer sich als industrielle Partner an den Entwicklungsrisiken beteiligen. UAC will eine MC-21-Produktfamilie mit Maschinen von 150 bis 210 Sitzen aufbauen. In den nächsten 25 Jahren will der Konzern einen Anteil von 12 bis 15 Prozent auf dem Weltmarkt für Passagierflugzeuge dieser Kategorie erreichen. UAC will mit der MC-21 und dem beim Schwesterunternehmen Sukhoi entstehenden Regionalflugzeug Superjet 100 rund 80 Prozent des russischen Marktes abdecken. Rund zwei Drittel der MC-21 will er ins Ausland verkaufen.

Als nächstes will UAC im Herbst die Aufträge für wichtige Zulieferer ausschreiben. Die Ergebnisse der Partnersuche für das Projekt will der Konzern in einem Jahr bekannt geben. Bis dahin will Fedorow auch geklärt haben, ob es eine Kooperation mit den Chinesen geben wird.

Der Markt für Flugzeuge mit 110-200 Sitzplätzen zieht immer mehr Wettbewerber an. Erst am Wochenende startete der kanadische Bombardier-Konzern mit Lufthansa als Erstkunden seine neue „C-Serie“. Die Maschine mit einem neu entwickelten Pratt & Whitney-Triebwerk soll bis zu 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und zielt auch auf das unterste Marktsegment der großen Hersteller Airbus und Boeing. Die geben sich trotz der neuen Konkurrenten gelassen. „Wir haben derzeit keinen Grund an unserem Produkt zu zweifeln“, sagt Scott Carson, Chef der Boeing-Zivilsparte. Boeing will erst Ende des kommenden Jahrzehnts ein neu entwickeltes Mittelstreckenflugzeug als Ersatz für seine 737-Familie auf den Markt bringen.

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