Russische Autoindustrie
„Unsere letzte Chance“

Die Rettung des angeschlagenen russischen Autoherstellers Avtovaz kommt in Gang - und Renault als ausländischer Aktionär mit einem blauen Auge davon. Die Franzosen halten 25 Prozent am Lada-Hersteller und werden zunächst kein frisches Geld nachschießen müssen. Darauf hat sich Renault mit der russischen Regierung geeinigt. Im Interview spricht Alexej Rachmanow vom russischen Industrieministerium über die Chancen für Lada und die Lage der maroden russischen Autoindustrie.
  • 1

Handelsblatt: Die Zukunft der heimischen Autoindustrie ist nun eine Priorität der Regierung geworden. Was wollen sie erreichen?

Alexej Rachmanow: Die Frage ist, wollen wir bei den "Top Ten" der Branche international mitspielen, oder nur auf lokaler Ebene fremde Marken zusammensetzen. Sicher können wir nicht alle hohen Ziele erreichen, aber die Autoindustrie ist ein sehr wichtiger Teil der russischen Wirtschaft mit einem Anteil von über einem Prozent am Bruttoinlandsproduktes. Jetzt müssen wir uns fragen: Können wir das große Ziel mit Avotvaz erreichen?

Und was muss dafür geschehen?

Die meisten russischen Autohersteller haben immer noch einen hohen Grad an vertikaler Integration, das trifft auch auf Avtovaz zu. Zunächst muss es eine Restrukturierung geben und eine Konzentration auf das Wichtigste: Forschung- und Entwicklung sowie eine moderne Fertigung. Obwohl einige russische Hersteller, wie zum Beispiel die GAZ-Gruppe bereits mit dem Ausgliedern bestimmter Aktivitäten in unabhängige Gesellschaften angefangen haben, müssen wir doch einräumen, dass das Qualitätsniveau dieser Zulieferer noch sehr niedrig ist.

Wie konnten die russischen Autohersteller und vor allem Avtovaz international so stark zurückfallen?

In den vergangenen zehn Jahren wurde viel zu wenig in Forschung und Entwicklung investiert. Der russische Auto-Markt ist jährlich mit 15 Prozent gewachsen. Noch im Jahr 2008 haben 750 000 Käufer sich für einen Lada entschieden. Warum sich mit Neuentwicklungen beschäftigen? Ich denke das ist auch die Folge einer gewissen Kurzsichtigkeit des Managements. Je mehr der Markt aber wuchs, umso geringer wurde der Anteil von Avtovaz gegen die ausländische Konkurrenz. Das heißt nichts anderes, als dass Lada einen sehr niedrigen Markenwert hat - je höher das verfügbare Einkommen, desto geringer die Nachfrage. Avotvaz muss daraus nun die richtigen Schlüsse ziehen, um aus diesem Teufelskreis zu entkommen - sonst steht die Zukunft des Konzerns in Frage.

Bei Avtovaz gibt es auch ein riesiges Korruptionsproblem?

Lada war die die "Cash Cow" für viele verschiedene Gruppen. Die Verluste aufgrund von Diebstahl oder aus anderen nicht erklärbaren Gründen waren bis vor kurzem enorm. Das Management versucht das jetzt aber in den Griff zu bekommen.

Seite 1:

„Unsere letzte Chance“

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Russische Autoindustrie: „Unsere letzte Chance“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Guten Tag,....... Da es auf dem Land jeder Dorfschmied hinkriegt einen Niva zum laufen zu bringen oder eine Ural zu reparieren; bleiben wir mit unseren ueberausgestatteten Superschitten lieber auf ebenen Strassen. in Russland sind noch immer Strassenverhaeltnisse wie zu Wehrmachtszeiten. besten Dank

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%