Russische Investoren
Der Drang nach Westen

Der Moskauer Milliardär Alexander Lebedew ist beim Charterflieger Blue Wings eingestiegen; Gazprom betreibt den Gasversorger Wingas; und Rustam Aksenenko ist Großaktionär beim Bekleidungshersteller Escada: Russlands Oligarchen investieren in deutsche Unternehmen. Doch nicht immer verläuft das reibungslos.

DESSAU. Silbrig schimmernd liegt er da, übersät von Dutzenden von Schweißnähten – ein Zug, der bald irgendwo in Holland zuckeln soll. Arbeiter im Blaumann rücken dem Blechkorpus aber vorher mit gelben Pasten und Schleifpapier zu Leibe, um die Außenhaut zu polieren – Vorarbeiten für die verschiedenen Lackschichten, die gleich in der Produktionshalle nebenan aufgetragen werden. Kilometer um Kilometer ziehen Arbeiter dann noch Kabel in die frisch gestrichenen Wagen. Fertig ist der Niederflur-Regionalzug „Protos“, das neueste Produkt der Fahrzeugtechnik Dessau.

Seit mehr als 100 Jahren werden hier in Dessau Schienenfahrzeuge hergestellt. Nach der Teilung Deutschlands schraubten die Waggonbauer Kühlzüge für die Sowjetunion zusammen – bis Anfang der 90er-Jahre dieser Absatzmarkt zusammenbrach und das Traditionsunternehmen Fahrzeugtechnik Dessau vor dem Aus stand.

Jetzt laufen die Geschäfte wieder, und das liegt ausgerechnet an einem Russen: Die Moskauer Transmash-Holding hat im vergangenen Jahr die Dessauer Firma übernommen – den „Porsche unter den Eisenbahnbauern“, wie es Kenner formulieren – und so 175 Arbeitsplätze gerettet.

Es ist nicht die einzige Investition russischer Konzerne in Deutschland: Der Waschpulverproduzent Kalina kaufte den Esslinger Kosmetikhersteller Dr. Schöller, Gazprom betreibt gemeinsam mit der BASF-Tochter Wintershall den Gasversorger Wingas, in Leipzig ist der Konzern am Regionalversorger VNG beteiligt. Der Moskauer Milliardär Alexander Lebedew stieg beim Bocholter Charterflieger Blue Wings ein. Und der Russe Rustam Aksenenko ist Großaktionär bei dem Bekleidungshersteller Escada.

„Mindestens 1 000 hiesige Unternehmen sind in der Hand von Russen“, schätzt Sergej Nikitin vom Deutschland-Ableger der russischen Industrie- und Handelskammer. Und der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft taxiert russische Investitionen hier zu Lande bereits auf 1,2 Milliarden Euro.

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