Russische Justiz ermittelt wegen Geldwäsche
Investoren fürchten neuen Yukos-Fall

Die russischen Behörden verunsichern mit ihrem neuen Schlag gegen den Ölkonzern Yukos Anleger so stark, dass der Moskauer Börsenindex RTS gestern um fast sechs Prozent einbrach. Das Innenministerium hatte zuvor mitgeteilt, mehrere Durchsuchungen von Banken, Anwaltskanzleien und Firmen hätten nicht nur Yukos gegolten. Vielmehr gehe es um Ermittlungen um Milliarden-Geldwäsche.

mbr MOSKAU. Da erst zum Jahresende die Beschuldigten bekannt gegeben werden sollen, reagierten Investoren mit Panikverkäufen aus Angst vor einem weiteren Fall Yukos.

Der früher führende russische Ölkonzern war mit Steuernachforderungen in Höhe von 28 Mrd. Dollar faktisch in den Bankrott getrieben worden. Nun ließ die Staatsanwaltschaft erneut Firmenbüros, mit Yukos verbundene Banken und Kanzleien von Yukos-Anwälten durchsuchen, erstmals auch in Amsterdam.

Dort hat Yukos Finance B.V. seinen Sitz, über das der vor dem Aus stehende Konzern seine Auslandsbeteiligungen hält, etwa Anteile am slowakischen Pipelinekonzern Transpetrol und der litauischen Raffinerie Mazeikiu Nafta. Yukos wird nach Unternehmensangaben seit Tagen gedrängt, sich von seinem Auslandsvermögen zu trennen.

Für starke Verunsicherung sorgte gestern in Moskau eine Erklärung von Sergej Meschtscherjakow, des Leiters der Abteilung für ökonomische Sicherheit im russischen Innenministerium, beim jüngsten Fall „geht es nicht nur um Yukos“. Sein Vorwurf: Zahlreiche Manager russischer Banken hätten mit Hilfe von in Russland illegal registrierten ausländischen Kreditorganisationen in großem Stil Geld gewaschen. Allein in einem Fall gehe es um 1,8 Mrd. Dollar in 18 Monaten.

Unklar blieb gestern zunächst, ob es sich bei dieser Erklärung nur um Ablenkungsmanöver gehandelt habe, um eine zweite Welle der Angriffe auf den bisher zu acht Jahren Straflager verurteilten Yukos-Gründer Michail Chodorkowskij zu starten. Oder ob die Behörden nun versuchten, weitere Unternehmen strafrechtlich zu verfolgen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben nach dem Schuldspruch weiter und wirft dem gestürzten Oligarchen Geldwäsche im Umfang von sechs Mrd. Dollar vor. Allerdings deuteten die Äußerungen Meschtscherjakows auf weitere Beschuldigte hin, hieß es bei Moskauer Brokern. Deshalb sei der Markt „hypernervös“.

Yukos-Aktien gaben gestern mehr als zehn Prozent ab und verloren so binnen dreier Handelstage 27 Prozent. „Der Druck auf Yukos lässt nicht nach“, kommentierten Analysten der United Financial Group die Ereignisse.

Die wichtigste Yukos-Fördertochter war im Dezember 2004 per Zwangsversteigerung weit unter Wert an den Ölkonzern Rosneft gegangen. Rosneft hatte jüngst zwar beteuert, man sei nicht an weiteren Yukos-Töchtern interessiert. Allerdings hatte Rosneft-Chef Sergej Bogdantschikow zuvor geprahlt, sein Unternehmen werde bis 2010 zum größten russischen Ölförderer. Dies geht nach Meinung von Analysten nur durch weitere Zukäufe, die – wie bisher im Fall Yukos – über Zwangsauktionen erfolgen könnten.

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