Russische Medien berichten über Ausverkauf
Yukos soll offenbar zerschlagen werden

Der wegen Steuernachforderungen in Milliardenhöhe angeschlagene russische Ölkonzern Yukos steht vor einem Ausverkauf zu Dumpingpreisen. Laut russischen Medienberichten wollen die Moskauer Gerichtsvollzieher in Kürze ein knapp 77 Prozent großes Paket der größten Yukos-Fördereinheit, Yuganskneftegaz (YNG), zwangsverkaufen.

HB MOSKAU. Yukos-Aktien stürzten am Freitag wegen der Berichte über den Verkauf der mit gut 60 Prozent Ölförderleistung wichtigsten Tochter um elf Prozent ab. Die Yukos-Anteilsscheine haben seit der Verhaftung von Ex-Konzernchef Michail Chodorkowskij am 25. Oktober vorigen Jahres bereits um mehr als zwei Drittel nachgegeben.

Während der russische Vermögensverwaltungsfonds den Verkaufsplan noch dementierte, kündigte Rohstoffminister Jurij Trutnew am Samstag weitere Ermittlungen gegen YNG an. Er sagte dem Fernsehsender NTW, es gebe Anlass zu der Annahme, dass YNG seine Fördervereinbarungen mit dem Ministerium verletze. Am Ende könne die Überprüfung der Produktion von YNG zum Entzug der Förderlizenz führen. Dann wäre YNG nur noch wenige Milliarden Dollar wert.

„Jetzt sieht es so aus, dass die Yukos-Geschichte zu Ende geht und es scheint kein gutes Ende zu werden“, sagte Aivaras Abromavicius vom Stockholmer East Capital Asset Management Fond. Jean-Louis Tauvy vom Moskauer Atria Advisers Fond sagte: „Der Staat nimmt sich, was er will. Und je mehr er will desto mehr werden die Yukos-Minderheitsaktionäre verlieren.“

Große internationale Aktienfonds hatten deshalb Russlands Präsident Wladimir Putin gebeten, fair mit Yukos umzugehen. Putin hatte gesagt, der Staat strebe keine Pleite des zweitgrößten russischen Ölkonzerns an. Zugleich hatte der Kremlchef dem Westen versprochen, mit einer wachsenden russischen Ölproduktion die weltweiten Erdölpreise zu senken.

Yukos-Chef Steven Theede forderte den Staat auf, YNG nicht zwangszuverkaufen. „Es gibt andere Lösungen“, sagte er zu den Steuernachforderungen. Zudem verbiete das russische Recht, an erster Stelle die wichtigsten Produktionseinheiten zwangszuversteigern. Fondsmanager Tauvy warnte auch: „YNG ist der Goldesel von Yukos. Wenn man den wegnimmt, sinkt die Möglichkeit für Yukos, die Steuern nachzuzahlen, dramatisch.“ Dann aber müsste Yukos Konkurs anmelden.

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