Russischem Gaskonzern steht turbulente Hauptversammlung bevor
Aktionäre werfen Gazprom-Führung Missmanagement vor

Dem weltgrößten Gaskonzern Gazprom droht Ärger: Aktionärsvertreter werfen der Konzernführung Missmanagement vor und kündigen für die bevorstehende Hauptversammlung Widerstand an.

HB MOSKAU. Durch mangelnde Kostenkontrolle und fehlende Transparenz gingen dem Konzern Dollarbeträge in Milliardenhöhe verloren, heißt es in einem Report der Moskauer Investmentgesellschaft Hermitage Capital, der dem Handelsblatt vorliegt.

Darin versucht Hermitage, Belege für überhöhte Personalausgaben, stark überteuerte Materialkosten, extreme Baukosten, undurchsichtige Lieferverträge sowie hohe Verluste beim exzessiven Eigenhandel mit Gazprom-Aktien zu liefern. So habe Gazprom allein in den ersten drei Quartalen 2004 für 5,7 Mrd. Dollar mit eigenen Anteilsscheinen gehandelt. Das Volumen entspreche fast dem des in Russland verkauften Gases. Dabei habe der Konzern aber einen Verlust von 200 Mill. Dollar verbucht. Ein Sprecher von Gazprom-Chef Alexej Miller wies die Vorwürfe zurück und sagte, dieser Aktienhandel gehöre zum Kerngeschäft der konzerneigenen Gazprom-Bank.

Der Gaskonzern, der seit 2001 von Miller geführt wird, steht seit Jahren wegen seiner angeblich ineffizienten Strukturen in der Kritik. Der Report, den Hermitage-Chefanalyst Wadim Klejner erstellt hat, analysiert diese Vorwürfe nun detailliert.

Gazprom gehört derzeit zu 38,4 Prozent der russischen Regierung, die ihren Anteil durch den Aufkauf der von Gazprom-Töchtern gehaltenen Aktien auf über 50 Prozent aufstocken will. Den Rest halten unter anderem Investmentgesellschaften wie Hermitage. Mit 6,5 Prozent ist auch die deutsche Eon Ruhrgas engagiert. Deren Vorstandschef Burckhard Bergmann ist neben dem russischen Investmentbanker Boris Fjodorow der einzige Vertreter im Aufsichtsrat, der nicht Gazprom oder die Regierung repräsentiert. Eon Ruhrgas wollte sich gestern nicht zu den von Hermitage erhobenen Vorwürfen äußern.

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