Russischer Energiekonzern
Gazprom lässt von Gasfeld in der Arktis ab

Russland stoppt vorerst sein Arktisprojekt Schtokman. Die geplante Erschließung des riesigen Gasfelds ist derzeit zu teuer. Gazprom wollte das Gas unter anderem in die USA verkaufen und auch nach Deutschland pumpen.
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MoskauRückschlag für Russlands geplante Ausbeutung von Bodenschätzen in der Arktis: Der Gazprom-Konzern hat die Erschließung des riesigen Gasfelds Schtokman wegen zu hoher Kosten auf Eis gelegt. Ein Teil der in der Barentssee vermuteten 3,8 Billionen Kubikmeter Gas sollte durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream nach Deutschland fließen.

Die beteiligten Konzerne Gazprom sowie Total (Frankreich) und Statoil (Norwegen) seien sich einig, dass das Projekt derzeit finanziell nicht zu stemmen sei, berichteten Medien in Moskau am Donnerstag. Schätzungsweise seien bis zu umgerechnet 24,5 Milliarden Euro und damit doppelt soviel Mittel nötig wie ursprünglich geplant.

„Die Kosten sind derzeit zu hoch“, sagte Wsewolod Tscherepanow von Gazprom der Zeitung „Kommersant“. Der Gasmonopolist wolle nichts überstürzen. „Wir haben noch genügend Reserven“, sagte Tscherepanow. Die Betreibergesellschaft der Ostsee-Pipeline sei an dem Projekt nicht beteiligt, sagte Nord-Stream-Sprecher Steffen Ebert der dpa. Zuständig für die Belieferung der Leitung sei Gazprom.

Vorgesehen war unter anderem, einen Teil der rund 600 Kilometer nordöstlich der Stadt Murmansk lagernden Energie auch als Flüssiggas mit Tankern in die USA zu exportieren. „Dort herrscht aber ebenso wie auf dem europäischen Markt ein Überangebot“, sagte der Analyst Denis Borissow der Zeitung „Wedomosti“. Frühestens 2020 gebe es weltweit Bedarf für das Schtokmann-Gas, meint er. In Europa dämpfe derzeit die Finanzkrise den Verkauf an die Industrie.

Gazprom bemüht sich seit rund zehn Jahren um eine Erschließung des Feldes. Nach langen Verhandlungen gründete der Staatskonzern 2007 mit Total und Statoil das Gemeinschaftsunternehmen Shtokman Development, an dem Gazprom mit 51 Prozent die Mehrheit hält. Wegen der erneuten Verzögerung sei dort die Zahl der ursprünglich rund 300 Angestellten halbiert worden, teilte ein Sprecher des Joint Ventures mit.

Die größte russische Ölgesellschaft Rosneft vereinbarte unterdessen mit Statoil die Förderung an vier anderen Abschnitten der Arktis. Dazu hätten beide Unternehmen ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet, teilte Rosneft am Donnerstag in Moskau mit. Geplant sei die Erschließung des Ölvorkommens Persejewski in der Barentssee sowie der Vorkommen Lissjanski, Kaschewarowski und Magadan-1 im Ochotskischen Meer bis zum Jahr 2021.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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