Russischer Lobbyist
EnBW zahlte 200 Millionen für Scheinverträge

Nach Angaben eines russischen Lobbyisten hat der Stromkonzern EnBW 200 Millionen für Scheinverträge gezahlt. Laut EnBW war das Geld für Brennstoffe vorgesehen. Aber ein interner Bericht lässt Zweifel aufkommen.
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Moskau/DüsseldorfDem Stromkonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) stehen schwere Zeiten bevor: Gleich drei Vorstandsvorsitzende des Unternehmens - Gerhard Goll, Utz Claassen und der amtierende Hans-Peter Villis - werden beschuldigt, dass in ihrer Amtszeit über ein System von Scheinverträgen Konzerngelder in Höhe von rund 200 Millionen Euro nach Russland geschleust worden seien.

Davon wurden 84 Kirchen, 30 Denkmäler, 60 Schachschulen, eine Oper und drei Orchester finanziert, darüber hinaus Kindergärten und Krankenhäuser. Das Geld habe der politischen Landschaftspflege gedient. Der Mann, der die Anschuldigungen im Handelsblatt-Interview erhebt, ist ein enger Geschäftspartner von EnBW.

Sein Name: Andrey Bykov. Sein Job: Lobbyist mit Zugang zu Wladimir Putin und Russlands Energiefirmen Gazprom und Rosneft. "Ein Viertel der Summe wurde zu Zeiten von Herrn Goll bezahlt, drei Viertel in der Zeit der Herren Claassen und Villis", so der 50-jährige Lobbyist.

Bykov sagt, er habe selbst das Geld von EnBW entgegengenommen und in Russland verteilt. Die Hälfte der 200 Millionen Euro sei an ihn als Honorar geflossen. Um die Lobbyarbeit gegenüber EnBW-Großaktionär Electricité de France abzuschirmen, habe der Verwendungszweck nicht mit den schriftlich fixierten Verträgen über Nukleargeschäfte übereingestimmt. Erst aus Zusatzprotokollen sei der wahre Verwendungszweck hervorgegangen. "Mit dem Geld habe ich dann die Klimapflege für die Gasgeschäfte betrieben", so Bykov.

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2004 bereits erste Zweifel

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  • In diesem Zusammenhang will ich noch auf eine ausgezeichnete Dokumentation über den "Umgang" mit den erneuerbaren Energien und dem Verhalten der Stromriesen generell,hinweisen:"Leben mit der Energiewende-Sonnenfänger und ihre Widersacher"
    Zu sehen im ZDF Livestream im Netz.Lief auch schon im TV,aber wann er das nächste Mal gesendet wird weiß ich nicht.
    Wen nach diesem Bericht nicht der unbändige Drang überkommt zumindest seinen Stromanbieter zu wechseln,falls dieser zu den Big 4 gehört,dem ist alles zu verkaufen.






  • So funktioniert nunmal das Geschäft in Russland und anderswo (zB China). Ohne Lobbying, sprich Schmieren, winken keine Abschlüsse. Mich würde es nicht wundern, wen Kickbacks an Claassen & Co. geflossen sind. Allerdings muss man das den Herren erst beweisen. Und da sie wissen wie man es richtig anstellt, werden Staatsanwälte hier kaum punkten können.

  • Dass einem Menschen wie dem Utz nicht schlecht wird vom eigenen Spiegelbild - nun denn, war doch damals schon klar, als er sich die Taschen vollgestopft hat, was das für Einer ist.

    Jedoch in den Kreisen, in jenen er sich bewegt, wird das als Mittel zum Zweck, als Kavaliersdelikt oder als zum guten Ton gehörend betrachtet. Gibt bestimmt genügend Günstlinge, die diesen Herrschaften auch speicheltreifend die Schuhe lecken.

    Jeder EnBW-Kunde kann aber drüber nachdenken, ob er den Anbieter wechselt - siehe Ergo-Versicherte.

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