Russisches Zivilflugzeug
Erster Suchoi Superjet an Kunden übergeben

In Armenien feiert der Hersteller Suchoi die Übergabe des ersten Superjets an einen Kunden. Trotz Beteiligungen westlicher Konzerne fällt die internationale Resonanz auf das russische Zivilflugzeug bisher dünn aus.
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JerewanMit einem Höllenlärm begrüßt Armenien den ersten Suchoi Superjet. Über das Rollfeld des internationalen Flughafens der Hauptstadt Jerewan dröhnen Bässe aus zwei Boxentürmen. Die Verstärker scheinen bis zum Anschlag aufgedreht, um das Publikum mit kaukasischer Volksmusik zu beschallen. Junge Mädchen in der roten Landestracht tanzen, als Suchoi-Erfinder Michail Pogosjan das Band zum Flugzeug zerschneidet. Der Superjet steht jetzt im Dienst des ersten Kunden.

Das wird auch höchste Zeit. Ursprünglich hatte Hersteller Suchoi die ersten Maschinen im November 2008 ausliefern sollen. Die markante Verspätung von zweieinhalb Jahren begründet der Konzernchef Michail Pogosjan damit, dass ein Flugzeug „ein sehr komplexes Produkt sei“ und mehr als 30 Zulieferer aus aller Welt ihre Bauteile integrieren mussten. In Wahrheit geht die Verzögerungen auf eine verspätete Lizenzierung des Flugzeugtyps zurück – und das lag an auf technischen Problemen bei den Triebwerken.

Sei’s drum – Michail Pogosjan davon heute nichts wissen. Der Dienstag ist ein Feiertag für Russland, die stolze Ingenieursnation. Der Suchoi Superjet 100 ist das erste Zivilflugzeug seit dem Ende der Sowjetunion, das sich auch außerhalb der postsowjetischen Region verkaufen wird. Airlines aus Asien, Südamerika und eine amerikanische Leasing-Gesellschaft haben Verträge unterzeichnet; eine italienische Billigfluglinie orderte den Flieger als Option.

Pogosjan gilt als der Vater des Superjets. Der 51-jährige Ingenieur leitete zunächst die Zivilsparte von Hersteller Suchoi, der bis dahin vor allem mit der Herstellung von Kampfjets einen Namen gemacht hatte. Vor zwei Jahren übernahm er die Leitung des Gesamtkonzerns, vor ein paar Wochen beförderte ihn Kremlchef Dmitrij Medwedjew zum Präsidenten der Vereinigten Flugzeugbaukorporation OAK. Unter dem Dach der Staatsholding sind seit 2006 praktisch alle Unternehmen der Branche zwangsvereinigt.

Sein Regionalflugzeug sieht Pogosjan als echten Wettbewerber für die etablierten Hersteller Embraer und Bombardier. „Wir haben ein absolut modernes Flugzeug ausgeliefert, das bei den Betriebskosten sehr viel günstiger ist als konkurrierende Modelle“, sagte der OAK-Chef Handelsblatt Online. Zudem ist der Preis unschlagbar: 32 Millionen Dollar soll ein Superjet kosten – das sind rund zehn Millionen Euro weniger als ein Embraer E-190.

Auf den ersten Blick schaut er aus wie eine fliegende Zigarre, dieser Superjet 100: Die Maschine ist fast so breit wie ein Airbus A-319, aber ein paar Meter kürzer. Von den langen und schlanken Modellen der Wettbewerber Embraer und  Bombardier setzt sich Suchoi klar ab: Die Russen schrauben fünf Sessel in jede Sitzreihe, in den Jets der Konkurrenz ist nur für vier Sitze pro Reihe Platz. Trotzdem sind Superjet-Sessel ein paar Zentimeter breiter als bei den etablierten Herstellern Embraer oder Bombardier – und selbst ein Schlacks stößt auf dem Weg zur Toilette nicht mit dem Kopf an die Decke, da der Rumpf breiter und höher ist.

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