Russland
BP will für Yukos-Reste mitbieten

Der Ölkonzern BP sucht neuen Rückhalt in Russland. Über sein Joint-Venture TNK-BP will der Ölkonzern bei der Yukos-Auktion für noch verbliebene Anteile des insolventen Konzerns mitbieten. Gleichzeitig arbeitet BP an seinem politischen Kontakten in Russland.

tom MOSKAU. Am Freitag trafen sich der Chef des Ölkonzerns, Lord Browne, sowie sein designierter Nachfolger Tony Hayward mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, Sergej Bogdantschikow. Bei der Zusammenkunft sei es um mögliche gemeinsame Projekte gegangen, heiß es danach. TNK-BP, das russische Joint-Venture des britischen Energiemultis, gab gleichzeitig bekannt, bei der morgigen Versteigerung eines Rosneft-Aktienpakets, das derzeit noch dem insolventen Yukos-Konzern gehört, mitbieten zu wollen.

Der Anteil von 9,4 Prozent dürfte bis zu neun Mrd. Dollar kosten. Rosneft will ebenfalls für die Aktien bieten und diese im Erfolgsfall möglicherweise nutzen, um eine Überkreuzbeteiligung mit einem ausländischen Partner einzugehen, berichtete die Nachrichtenagentur RBC unter Berufung auf das Unternehmen. In den kommenden Wochen hat der staatliche Insolvenzverwalter von Yukos mehrere Auktionen anberaumt, bei denen die Reste des Konzerns aufgeteilt werden sollen, um angebliche Steuerschulden Steuerschulden zu begleichen. Insgesamt dürften die Versteigerungen der Unternehmensteile dem russischen Staat mehr als 26 Mrd. Dollar einbringen und sie Rolle des Kremls auf dem Sektor weiter stärken.

Ob TNK-BP tatsächlich gegen Rosneft bieten wird, bezweifeln allerdings Beobachter in Moskau. Für eine Versteigerung brauche es mindest zwei Bieter, sagt Nadia Kazakowa, Analystin bei der MMD-Bank. TNK-BP können daher nur als „helfende Hand“ gesehen werden. Ein Sprecher des Joint-Ventures wies dies gegenüber Reuters zurück: „Wir werden bieten, um zu gewinnen“.

TNK-BP kämpft derzeit in Russland an einer Reihe von Fronten. Der Kreml möchte den Einfluss privater und ausländischer Konzerne in der Energiewirtschaft zurück drängen. Russische Behörden hatten dem Konzern angedroht, Förderlizenzen zu entziehen, weil er die Felder angeblich nicht schnell genug entwickle. Russische Medien spekulieren auch darüber, dass der Kreml Druck auf die russischen Anteilseigner ausübt - darunter der Oligarch Wiktor Wekselberg - ihr Paket an einen Staatskonzern zu verkaufen. Zuletzt hatte der Staat durchgesetzt, dass Shell bei seinem Prestigeprojekt auf Sachalin Gazprom als Mehrheitspartner hinzunehmen musste.

Mit Gazprom liegt TNK-BP wegen seines Kowikta-Feldes über Kreuz – einem der ergiebigsten Gas-Vorkommen in Russland. Nach Schätzungen von TNK-BP dürfte es so groß sein wie die gesamten Gasreserven Norwegens. Ohne Übereinkunft mit Gazprom kann TNK-BP das Gas aber nicht exportieren und muss es für einen geringeren Preis in Russland verkaufen. Hauptabnehmer für Kowikta-Gas wären China und Südkorea.

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