Russland
Eklat bei Norilsk Nickel

Der Machtkampf um den größten russischen Bergbaukonzern spitzt sich zu: Mehrheitseigner Wladimir Potanin hat im Aufsichtsrat überraschend einen neuen Chef durchgesetzt und seinen Konkurrenten Oleg Deripaska düpert.

MOSKAU.Im Machtkampf um den größten russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel hat der Milliardär Wladimir Potanin die Schlüsselpositionen besetzt: Kurz nachdem der Mehrheitseigner zum neuen Aufsichtsratschef gewählt wurde, ersetzte er überraschend den allgemein geschätzten CEO Denis Morosow durch seinen Vertrauten Sergej Batechin. Im Ringen um die Zukunft des größten Nickelproduzenten der Welt hat Potanin damit erneut einen Punktsieg über den anderen Großaktionär des Konzerns, Oleg Deripaska, davongetragen.

Seit Deripaska mit 25 Prozent bei Norilsk eingestiegen ist, spitzt sich die Lage unter den Aktionären zu: Der Mehrheitseigentümer des Aluminium-Produzenten Rusal möchte seinen Konzern mit Norilsk verschmelzen. Potanin dagegen, der rund ein Drittel an Norilsk hält, will zunächst gemeinsam mit dem Metall-Oligarchen Alischer Usmanow einen Konzern schmieden, der erst später auch Rusal einschließen soll und dann auf einen Marktwert von gut 120 Mrd. Dollar käme. Usmanow hat angekündigt, mit zehn Prozent bei Norilsk einzusteigen, Potanin wiederum bei Usmanows Metalloinvest.

Deripaska, der selbst einen Sitz im obersten Kontrollgremium von Norilsk hält und den alten CEO unterstützte, will die Schlappe nun nicht auf sich sitzen lassen: In einer Pressemitteilung greift er Potanin und dessen Holding Interros scharf an. Die Aufsichtsratssitzung, auf der Potanin den Führungswechsel eingestielt habe, sei zu kurzfristig angesetzt gewesen, das Kontrollgremium habe noch nicht einmal die Zeit gehabt, den Lebenslauf des neuen Norilsk-Chefs zu überprüfen oder sich mit ihm zu treffen, klagt Rusal.

Der Alu-Oligarch will nun die Minderheitsaktionäre - rund 40 Prozent der Norilsk-Aktien werden frei gehandelt - für ein außerordentliches Aktionärstreffen gewinnen, um den Aufsichtsrat auf 13 Mitglieder aufzustocken und "unabhängige Vertreter" in das Gremium zu wählen.

Von dessen neun Mitgliedern galten bisher vor allem zwei als keiner der beiden Parteien zuzuordnen. Ihre Wahl hatte das Norilsk-Management sowie der Institutional Shareholder Service (ISS) den Minderheitsaktionären empfohlen, damit ihre Rechte gewahrt würden. Für Irritation vor allem im Management sorgte dann einer der beiden: Heinz Schimmelbusch, in Deutschland vor allem bekannt als umstrittener Ex- Chef der Metallgesellschaft. Der Manager, der bereits seit 2003 im Aufsichtsrat sitzt, stimmte überraschend für den Chefwechsel.

Die Unsicherheit über die Zukunft des Konzerns sowie die Entlassung Morosows drücken auf den Aktienkurs von Norilsk: Auch gestern gaben die Norlisk-Papiere an der Moskauer Börse Micex nach. Analysten erwarten keine zügige Einigung zwischen Potanin und Deripaska. Eine außerordentliche Aktionärsversammlung werde wohl nicht vor September stattfinden können, heißt es. Die Hängepartie dürfte den Konzern weiter unter Druck setzen. Die Auseinandersetzung zwischen den Aktionären sowie fallende Nickelpreise haben inzwischen Banken wie Unicredit oder Uralsib veranlasst, ihre Gewinnerwartungen zu senken.

Der Konzern ist schon seit einem Jahr in Turbulenzen: Seit Potanin und sein damaliger Geschäftspartner Michail Prochorow beschlossen hatten, ihr gemeinsam aufgebautes Industrieimperium aufzuteilen und sich bei der Frage der Bewertung der unterschiedlichen Anteile zerstritten, herrscht keine Klarheit über die mittelfristige Strategie des Nickelproduzenten.

Russischer Ärger

Streitpunkt 1

Der 47-jährige Wladimir Potanin zählt zur alten Oligarchen-Garde in Russland. Gemeinsam mit seinem Partner Michail Prochorow baute er sich in den 90er-Jahren ein Imperium auf, das beide nun wieder aufteilen. Der vom US-Magazin Forbes auf rund 19 Mrd. Dollar geschätzte Unternehmer hatte mehrfach auch politische Posten inne und diente als stellvertretender Ministerpräsident.

Streitpunkt 2

Anders als beim Streit unter den Aktionären des Ölkonzerns TNK-BP gilt die Auseinandersetzung um Norilsk auch nach internationalen Standards als fair.

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