Russland will Anteil an EADS
EADS: Neue Kooperationen werden ausgelotet

Nach dem russischen Kapitaleinstieg beim deutsch-französischen Flugtechnikkonzern EADS loten Deutschland, Frankreich und Russland die Möglichkeiten einer engen Kooperation im Flugzeugbau aus.

HB COMPIEGNE. Dazu werde eine Arbeitsgruppe von Experten gebildet werden, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Samstag in Compiègne auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Russland will seine Flugzeugbaukonzerne verschmelzen und den neuen Großkonzern OAK durch eine Überkreuz-Beteiligung mit EADS verbünden. „Wir haben detailliert über die russische Fünf-Prozent-Beteiligung an EADS gesprochen“, sagte Putin. Moskau sei stark an einer Zusammenarbeit mit Deutschland und Frankreich in der Luft- und Raumfahrt interessiert. Alle drei dächten dabei auch an eine künftige Weltraumfähre. Der Einstieg der Moskauer Wneschtorgbank mit 5,02 Prozent bei der Airbus-Konzernmutter EADS sei kein Zeichen für eine aggressive Politik der Einflussnahme, sondern Teil des „natürlichen Spiels“ der Märkte nach dem Sturz der EADS-Aktie.

Die EADS-Führung hatte sich nach Moskaus Kapitalbeteiligung strikt gegen eine Beteiligung der Russen an Konzernentscheidungen gewandt und auf den deutsch-französische Aktionärspakt verwiesen. Sie hatte dabei Rückendeckung durch Paris und Berlin erhalten. Allerdings sieht EADS in einem Bündnis mit Moskau auch erhebliche Chancen auf dem großen Flugzeugmarkt der UdSSR-Nachfolgestaaten und für die Senkung der Produktions- und Entwicklungskosten.

Neben den Airbus-Passagierjets baut EADS auch Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Lenkwaffen, Satelliten, Trägerraketen und die strategischen französischen Atomraketen. Der Konzern hat deshalb große strategische Bedeutung für Berlin und Paris. EADS ist mit zehn Prozent am russischen Kampfflugzeug-Bauer Irkut beteiligt, der in den neuen Großkonzern OAK aufgehen soll. Als die EADS-Aktie wegen der Lieferprobleme beim weltgrößten Passagierflugzeug Airbus A380 einbrach, nutzte Moskau das für einen Kapitaleinstieg.

Im Vorfeld des Dreiergipfels von Compiègne entschied sich die russische Fluggesellschaft Aeroflot für den Kauf von je 22 Langstreckenflugzeugen von Airbus und Boeing. Dem Vernehmen nach hatte Aeroflot sich für das US-Modell Boeing 787 entschieden, doch habe Moskau auf den erst später verfügbaren Airbus A350 bestanden. Nach Einschätzung des Moskauer Zentrums für Strategische und Technologische Analyse will Putin aus politischer Rücksichtnahme kurzfristig nur eine zivile Kooperation mit EADS, die aber längerfristig auf Militärprojekte ausgedehnt werden soll. Wenn die Westeuropäer einen höhere russischen Anteil am EADS-Kapital akzeptierten, werde Moskau im Gegenzug eine EADS-Beteiligung von mehr als zehn Prozent an OAK zulassen. Der Staat Russland würde aber eine Mehrheit von mindestens 51 Prozent an OAK behalten.

Die DaimlerChrysler AG ist mit 22,3 Prozent größter EADS-Aktionär. Der Autokonzern hat ein Aktionärsbündnis mit der französischen Holding Sogeade (Staat und Groupe Lagardère) geschlossen, der ebenso viel Anteile hält. Außerdem sitzt die spanische Staatsholding SEPI mit 5,4 Prozent im EADS-Kapital. Das Bündnis sieht vor, dass die Partner einem unerwünschten neuen Aktionär den Weg verbauen, wenn dieser mehr als 7,5 Prozent der Anteile erreicht. Ab zehn Prozent EADS-Anteil könnte Moskau eine Hauptversammlung fordern und die EADS-Führung vor der niederländischen Justiz in Frage stellen. Der französische Staat hätte ab dieser Schwelle die Option, das in EADS integrierte Geschäft mit Atomraketen zurückzukaufen.

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