Russland will Ölproduzenten in den Gaskonzern einbringen und Aktienbestimmungen für Ausländer lockern
Gazprom soll Rosneft übernehmen

Russland will den staatseigenen Ölproduzenten Rosneft mit dem weltgrößten Gaskonzern Gazprom zusammenführen. Die Regierung plane, ihre Rosneft-Anteile gegen Gazprom-Aktien zu tauschen, sagte Premierminister Michail Fradkow gestern während eines Treffen mit Präsident Wladimir Putin, das vom staatlichen Fernsehen übertragen wurde.

HB/juf MOSKAU. Rosneft würde damit eine Tochter des Gaskonzerns. Der Staat will im Gegenzug seinen Anteil an Gazprom um rund 13 auf 51 Prozent aufstocken, um ihn auch künftig kontrollieren zu können. Er legt damit die Grundlagen für die seit langem erwartete Liberalisierung des Handels mit Gazprom-Aktien. Fradkow kündigte nämlich gleichzeitig an, dass die Bestimmungen gelockert werden sollen, die bisher Ausländern die Beteiligung am Gasriesen erschweren. Putin unterstützt die Pläne. „Ich bin überzeugt, dass die bisherigen Unterschiede beim Aktienbesitz rasch beendet werden sollte“, sagte der Präsident, „je schneller dies passiert, um so besser“.

Nach einem Dekret von 1997 ist es Ausländern untersagt, Gazprom-Aktien direkt zu erwerben. Sie dürfen lediglich amerikanische Aktienzertifikate kaufen. Diese bewerten Gazprom aber etwa zwei Drittel höher, als es dem Marktwert in russischen Aktien entspricht.

Die Angleichung der Aktienrechte war lange erwartet worden und wurde am Finanzmarkt gut aufgenommen. Die Gazprom-Aktie legte an der Moskauer Börse um rund zehn Prozent zu. „Der gesamte russische Aktienmarkt wird von der Lockerung profitieren“, sagte ein Investmentbanker in Moskau. Einer der größten Energiekonzerne der Welt sei bislang sowohl in inländischen als auch in ausländischen Portfolios deutlich unterbewertet gewesen. Gazprom-Vorstandschef Alexej Miller sprach von einer „sehr wichtigen Entscheidung“, die die Regierung getroffen habe.

Bislang war Gazprom zu rund 38,4 Prozent im Besitz des russischen Staates, 17 Prozent gehörten dem Unternehmen selbst. Als einer der größten ausländischen Aktionäre hält die Eon Ruhrgas AG derzeit rund 6,5 Prozent. Das Unternehmen hat aber schon angekündigt, den Anteil nicht weiter aufstocken zu wollen, sondern ihn tendenziell eher zu reduzieren.

Bei der Übernahme von Rosneft muss Gazprom zusätzlich zu seinem 13-Prozent-Paket vermutlich rund eine Mrd. Dollar zuzahlen. Rosneft sei rund sieben Mrd. Dollar wert, sagte Analyst Maxim Moshkow von der Investmentbank Brunswick UBS.

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