Russlands Automarkt
Tristesse in der Taiga

Putins Konflikt mit dem Westen hat den russischen Automarkt einbrechen lassen. Das gefährdet auch die dortigen Wachstumspläne der deutschen Hersteller – doch Anlass zur Panik gibt es nicht.
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Moskau/DüsseldorfNoch Anfang des Jahres waren sich fast alle einig: Russland wird schon bis zum Ende des Jahrzehnts Deutschland als größten Automarkt Europas ablösen. Die Vorzeichen sprachen für diese These. Zum einen haben sich die Einkommen der russischen Bevölkerung in den letzten Jahren vervielfacht, zum anderen liegt das Durchschnittsalter des russischen Fuhrparks nach Angaben von Pricewaterhouse Cooper bei zwölf Jahren, ein Drittel ist gar älter als 15 Jahre. Um die Region St. Petersburg oder Kaluga entstanden die Keimzellen der neuen russischen Autoindustrie. Große ausländische Hersteller wie Toyota und Volkswagen siedelten sich an, Zulieferer wie Conti Tech und Bosch folgten. Alles sprach für einen Boom.

Doch mit der Krise auf der Krim und in der Ostukraine haben sich die Vorzeichen umgekehrt. Der russische Automarkt hat über die vergangenen Monate einen Einbruch erlebt wie seit der Autokrise im Jahr 2009 nicht mehr. Allein im August ist der Absatz von Autos und leichten Nutzfahrzeugen im 25,8 Prozent zurückgegangen, meldete zuletzt das AEB Automobile Manufacturers Committee (AEB AMC). „Das war erneut ein schwieriger Monat bei den Autoverkäufen, und das hat niemand in der Industrie wirklich überrascht“, sagt AEB-Autoexperte Jörg Schreiber im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Das Problem der derzeitigen Absatzkrise in Russland sieht Schreiber nicht allein im politischen Konflikt, vielmehr verunsichere der schwache Rubel die Russen. „Viele Probleme des russischen Automarktes sind hausgemacht“, sagt er.

Für die großen deutschen Hersteller ist die Lage besonders problematisch. Für sie ist Russland eine Millioneninvestition, die sich derzeit nicht auszahlt. Volkswagen will nun sogar die Jahresproduktion im Werk Kaluga zurückzufahren, meldete vor einigen Tagen die Automobilwoche, hier werden der Polo, Tiguan, Skoda Fabia und Octavia gebaut. Statt 150.000 sollen nun nur noch 120.000 Fahrzeuge gefertigt werden. Für zehn Tage ruht die Produktion sogar ganz. Mit rund 85.000 verkauften Fahrzeugen hat VW in Russland seit Jahresbeginn rund 18 Prozent weniger Autos abgesetzt.

Während man weltweit an der Spitze mitfährt, reicht das im Wachstumsmarkt Russland nur für Platz 7 - weit hinter der GM-Tochter Opel. Eigentlich hatte der Konzern die Marschroute ausgegeben, bis 2018 in die Top 3 in Russland aufzusteigen. Bis 2015 hatte Volkswagen dafür Investitionen in Höhe von 840 Millionen Euro eingeplant.

Wegen der zuletzt starken Verkaufszahlen ist der Einbruch in Russland auch für die Opel-Gruppe nicht weniger als eine mittelschwere Katastrophe. Immerhin hatte Mutterkonzern GM der deutschen Tochter zuletzt den eigentlich lukrativen Markt alleine überlassen und sogar Schwestermarke Chevrolet, die in Russland mehr Autos verkauft als die Deutschen, in die dortige Opel-Gruppe integriert. Das Land ist für GM nach Deutschland und Großbritannien bereits der drittgrößte Absatzmarkt in Europa. Noch Anfang Mai hatte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann optimistisch verkünden lassen: „Alle Prognosen weisen darauf hin, dass sich Russland in den kommenden Jahren zur größten Absatzregion Europas entwickeln wird.“

Kommentare zu " Russlands Automarkt: Tristesse in der Taiga"

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  • Die USA werden nicht aufhören in der Ukraine zu zündeln.
    Sie wollen endlich dieses Land unter ihre Zinsknechtschaft und unter all die kapitalistischen Wohltaten die der Westen so zu bieten hat, bringen.

    Irgendwie kommt mir auch die Sache gegen die Isis so vor als wäre sie von langer Hand vorbereitet um einen Grund zu haben in Syrien zu agieren.
    Natürlich ohne Mandat der UNO.
    In Syrien Bomben zu werfen, wäre wieder einmal ein Völkerrechtsbruch.

    Es scheint mir so zu sein, dass die Isis und die sonstigen Terrorgruppen die dort an der Arbeit sind, haben nicht den Erfolg gegen Assad gebracht wie man es sich von den USA erwünschte.
    Nun geht man so ins Land rein und wehe wenn das Syrien nicht gefällt, dann hat man einen Grund, dort richtig was ab zu laden.
    Dass sich die USA nicht an das Völkerrecht halten, zeigen die ganzen Drohen Angriffe in Pakistan.

  • Danke Herr Duffner:
    "...Indessen teilt das Verteidigungsministerium der Ukraine mit, dass die Kräfte der Staatsgewalt 27.500 neue Panzerwesten und 7.100 Kevlarhelme sowie 16.000 Sätze Winterbekleidung erhalten hätten..."
    Jetzt wissen wir, wo die deutschen Kriegsmaterialien die via Leipzig ausgeflogen worden sind, angekommen sind. Gedacht waren die ja angeblich für die Bekämpfung von IS. Nun dienen diese Dinge also dem Krieg in der Ukraine.

  • STIMME RUSSLANDS Einwohner von Donezk, einer Stadt im Osten der Ukraine, berichten von Artilleriesalven, die in der Stadt am Tage zu hören sind.
    Vielleicht interessiert dieser Bericht den geneigten Leser.:

    Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/news/2014_09_11/Donezk-wird-erneut-bombardiert-2838/

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