Russlands Gasgigant
Gazprom verliert Millionen wegen politischer Vorgaben

Der in der Krise ohnehin schon schwer gebeutelte russische Gasgigant Gazprom muss derzeit tief in die Tasche greifen. Grund ist die vom Kreml vorgegebene Konzernpolitik: So soll durch den Aufkauf aller Erdgasvorräte Zentralasiens westliche Konkurrenz in der Region verhindert werden – und dafür zahlt Gazprom einen immer höheren Preis.

BERLIN. Der Einkauf des gesamten Export-Gases in den Ländern Zentralasiens beschert dem Konzern gewaltige Verluste, weil er wegen des Preisverfalls im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise den Rohstoff nur unter Einkaufspreis verkaufen kann. Trotzdem setzt der vom russischen Staat kontrollierte Konzern seine Strategie fort. Nun bietet Gazprom auch Aserbaidschan an, dessen gesamte Gasexportmengen zu kaufen. Damit wollen die Russen Baku von Lieferungen an das Nabucco-Pipeline-Konsortium abbringen, das Europa unter Umgehung Russlands mit Gas versorgen soll.

Infolge der Weltwirtschaftskrise ist die Nachfrage nach Öl stark zurückgegangen und der Preis eingebrochen. Mit halbjähriger Verzögerung sinkt seither auch der Erdgaspreis. Dennoch muss der weltgrößte Gaskonzern, Moskaus OAO Gazprom, wegen seiner Verträge für den Kauf der gesamten Exportmengen der zentralasiatischen GUS-Länder nach Angaben des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin 340 Dollar pro 1 000 Kubikmeter Gas bezahlen. In Europa erziele Gazprom hingegen nur durchschnittlich 280 Dollar dafür.

Damit zahlt der in der Krise ohnehin schon schwer gebeutelte Riese nun auch noch einen hohen Preis für die vom Kreml vorgegebene Konzernpolitik. Die gibt vor, ein Monopol für das in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion produzierte Erdgas zu bilden.

Allerdings geht Gazprom-Vize Alexander Medwedjew davon aus, „dass die Preise für zentralasiatisches Gas auch bald sinken und wir langfristig kein Geld damit verlieren“. Das sagte Medwedjew dem Handelsblatt am Rande der gestrigen Internationalen Konferenz des russischen Gasverbandes in Berlin. Ein Unternehmenssprecher hatte zuvor erklärt, dass Gazprom in Russland wegen der Abnahmeverpflichtungen in Zentralasien eigene Förderquellen gedrosselt habe. Dort aber kostet das Erdgas laut Analysten nur rund 80 Dollar.

Seite 1:

Gazprom verliert Millionen wegen politischer Vorgaben

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%