RWE-Chef fordert, den Kernenergie-Ausstieg zu überdenken
„Nur über neue Kraftwerke bleibt der Preis stabil“

Konzerne und Politik sollten aufeinander zugehen und realistische Konzepte für die langfristige Versorgung suchen, fordert der neue Vorstandsvorsitzende der RWE AG. Er fordert in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt, den Kernenergie-Ausstieg zu überdenken. „Dieser Beschluss wurde im Jahr 2000 unter anderen Prämissen gefällt.“

Finanzmarkt und Kreditkrise hin und her: Die Weltwirtschaft ist in guter Verfassung. 2007 wird das vierte Jahr in Folge mit einem globalen Wachstum von real rund fünf Prozent. Dieses Wachstum macht stark steigende Lieferungen von Öl, Strom, Kohle und Gas erforderlich. Allein Chinas Energieverbrauch wächst alle drei Jahre um die Menge, die zum Beispiel Japan insgesamt pro Jahr benötigt.

Zwei Milliarden Menschen haben heute keinen Zugang zu Strom. Um jeden Menschen mit Energie zu versorgen, muss die Produktion bis 2050 um 50 Prozent steigen. Ein Rohölpreis von 100 Dollar wird deshalb nur eine Wegmarke beim Anstieg zu neuen Gipfeln sein. Die Rohstoffmärkte zeigen: Energie ist knapp und kostbar. Deutschland muss den Energiehunger der Welt zur Kenntnis nehmen und Weichen stellen, die eine Versorgung mit sauberer, sicherer und bezahlbarer Energie langfristig gewährleisten. Davon ist die Diskussion weit entfernt. Im Vordergrund stehen Schuldzuweisungen, ja sogar Polemik.

Allerdings: Politische Unterstützung bekommen wir Energieversorger nicht durch Rechthaberei, sondern durch Überzeugungsarbeit, ja durch Kurskorrekturen dort, wo wir übers Ziel hinausgeschossen sind. Selten stand eine Industrie so am Pranger. Das ist unhaltbar. Jeder Tag, den wir weiter streiten, ist ein verlorener Tag. Deshalb habe ich einen Energiepakt vorgeschlagen. Das soll kein Energiegipfel im neuen Kleid sein. Eine bloße Charmeoffensive reicht nicht. Wir dürfen nicht länger übereinander, wir müssen wieder miteinander reden. Und Ablenken von unangenehmen Themen gilt nicht. Es geht mir beim Energiepakt um eine gemeinsame Kraftanstrengung für eine nachhaltige und sichere Versorgung, um die Energiepreise und um eine Diskussion ohne Tabus im Interesse des Standorts Deutschland.

Der Pakt darf keine Einbahnstraße und kein Formelkompromiss sein. Er ist ein Geben und Nehmen aller. Wir Energieunternehmen müssen in Vorleistung treten. Besser zu erklären, wie Preise zustande kommen, ist eine wichtige Aufgabe. Der Kunde muss sehen, dass die Stromwirtschaft ihre Gewinne von heute in die Infrastruktur von morgen investiert. Strom ist international ein knappes Gut geworden. Nur über neue Kraftwerke können wir sicherstellen, dass das Stromangebot zumindest mit der Nachfrage Schritt hält und die Preise stabil bleiben. Mit einem Baustopp für Kraftwerke der großen Versorger, wie die Monopolkommission vorschlägt, würde man Investitionen aber eher verhindern. Auch mit der von der EU geforderten Zerschlagung der großen integrierten Versorger wäre für den Kunden nichts gewonnen.

Investitionen sind das Gebot der Stunde. Wir brauchen moderne Kraftwerke, neue Leitungen und weitere Kuppelstellen. RWE plant das größte Investitionsprogramm seiner Geschichte: 15 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre allein in Deutschland. Im Energiepakt verpflichten wir uns, Milliarden in erneuerbare Energien zu investieren und unsere Forschungausgaben zu vervielfachen. Konkurrenten verhalten sich ähnlich.

Von den Verbrauchern erwarten wir die Aussage, dass der Markt auch künftig die Preise regeln soll. Umgekehrt sorgen wir dafür, dass der Wettbewerb deutlich zunimmt. Hinzu kommen intelligente Mess- und Steuergeräte, um die Kosten unserer Kunden durch klügeres Konsumverhalten zu senken.

Seite 1:

„Nur über neue Kraftwerke bleibt der Preis stabil“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%