RWE-Chef hält Atomausstieg und Klimaschutzziele für unvereinbar
Deutsche Versorger fühlen sich benachteiligt

Ab 2013 sollen die deutschen Versorger für Verschmutzungszertifikate zahlen, die bisher umsonst ausgeteilt wurden. Auf die deutschen Energieversorger kommen dadurch Mehrkosten in Milliardenhöhe, klagt RWE_Chef Großmann und befürchtet Wettbewerbsnachteile.

DÜSSELDORF. RWE-Chef Jürgen Großmann schwant nichts Gutes, wenn er an die Zukunft von Electricité de France (EDF) denkt. Während die deutschen Versorger durch die zu erwartenden schärferen Regeln zum Emissionshandel belastet würden, werde der französische Konkurrent von der geplanten Versteigerung von Emissionsrechten in hohem Maße profitieren. "Im Gegenzug verdient EDF so viel, dass sie nach fünf Auktionsjahren praktisch jedes andere Energieunternehmen kaufen könnte - außer vielleicht Gazprom", warnte Großmann jüngst.

Der RWE-Chef fühlt sich durch die Rahmenbedingungen in seinem deutschen Heimatmarkt entscheidend benachteiligt. In Großmanns Augen passt vor allem der nach wie vor gültige Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie nicht mit den ehrgeizigen Klimaschutzzielen der Bundesregierung und der EU-Kommission zusammen.

Großmann macht eine simple Rechnung auf. Bleibt es beim Atomausstieg, den die damalige rot-grüne Bundesregierung 2000 den Versorgern abgerungen hat, müssten in den kommenden Jahren zahlreiche deutsche Kernkraftwerke vom Netz, die ihren Strom praktisch CO2-frei produzieren. RWE etwa müsste in den kommenden zwei, drei Jahren Biblis A und B abschalten, und kann dies nach eigenen Angaben nur mit einer höheren Produktion in Kohle- und Gasanlagen ausgleichen und nur zu einem kleinen Teil mit erneuerbaren Energien. Der Konzern würde also zusätzliche der Zertifikate benötigen, die Stromproduzenten inzwischen bei der Emission des klimaschädlichen CO2 vorweisen müssen.

Andererseits will die EU-Kommission den Klimaschutz forcieren. Ab 2013 sollen die Versorger, die zu Beginn noch ihre Emissionsbescheinigung umsonst zugeteilt bekommen hatten, alle Zertifikate per Auktion erwerben. Erst in der vergangenen Woche einigten sich Bundeswirtschafts- und umweltministerium darauf, diesen Plan zu akzeptieren.

Auf die deutschen Stromproduzenten kämen dadurch Mehrkosten in Milliardenhöhe zu, klagt Großmann. EDF dagegen wäre der große Gewinner. Das Unternehmen betreibt in Frankreich 58 Atomkraftwerke, benötigt für diese keine Zertifikate, und dürfte mit den weitgehend abgeschriebenen Anlagen an den stetig steigenden Großhandelspreisen kräftig verdienen.

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