RWE-Chef Peter Terium: „Unsere Bilanz ist nicht in Ordnung“

RWE-Chef Peter Terium
„Unsere Bilanz ist nicht in Ordnung“

RWE will grüner werden, doch der Ausbau der Erneuerbaren kommt nur schleppend voran. Nun macht das Unternehmen einen Schritt zurück, es hat einfach nicht genug Geld, um umfangreich in die Energiewende zu investieren.
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EssenMan könnte leicht meinen, dass RWE-Chef Peter Terium ein naturverbundener Umweltschützer ist. Er verzichtet seit fast vier Jahren darauf, Fleisch zu essen, macht Yoga und meditiert. Ein Öko-Freak ist er deshalb noch lange nicht, zumindest nicht in seiner Funktion als RWE-Chef.

Unter ihm ist der Ausstoß der klimaschädlichen CO2-Emissionen, verursacht unter anderem bei der Stromerzeugung, kräftig gestiegen. Wie das Unternehmen heute mitteilte, stieg die Verschmutzung der Luft durch RWE im Jahr 2012 auf rund 161 Millionen Tonnen CO2,  2011 war der CO2-Ausstoß noch auf rund 143 Millionen Tonnen leicht gesunken. Auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Konzern geht nur schleppend voran: Der Anteil von Windkraft und Co. stieg im vergangen Jahr gerade einmal um 0,4 Prozentpunkte auf 8 Prozent an der gesamten Stromerzeugung.

Und Terium macht wenig Hoffnung auf schnelleres Vorankommen in nächster Zeit. Zwar wolle RWE auf absehbare Zeit keine neuen Kraftwerke auf der Basis von Kohle und Gas bauen. „Allerdings müssen wir bei dem Ausbau der erneuerbaren Energien aus finanziellen Gründen das Tempo etwas drosseln“, sagte Terium bei der Vorstellung der Zahlen.

Das Unternehmen investiert wesentlich weniger in den Ausbau von Windkraft und Co. 2013 soll es noch 1 Milliarde sein, in den Folgejahren 2014 und 2015 nur noch 500 Millionen Euro. Laut Rolf Martin Schmitz, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von RWE, waren ursprünglich 2 Milliarden Euro pro Jahr geplant. Insgesamt will RWE seine Investitionen in den kommenden Jahren „deutlich zurückfahren“, nicht nur bei den erneuerbaren Energien. Sie sollen ab 2015 jährlich zwischen 3 bis 4 Milliarden Euro liegen.

Ein Blick auf die Bilanz zeigt, warum RWE die Investitionen so stark zurückfährt. Der Konzern konnte zwar das betriebliche Ergebnis um zehn Prozent auf 6,4 Milliarden Euro steigern und liegt damit über der im März 2012 veröffentlichten Prognose. Auch der Umsatz stieg auf 53,2 Milliarden Euro.

Das Nettoergebnis, also der Gewinn von RWE, fiel jedoch um fast 28 Prozent von 1,8 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro. Auch das Nachhaltige Nettoergebnis, das RWE zur Berechnung der Dividende heranzieht, sank um 0,9 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro und entsprach damit weitgehend den Erwartungen der Analysten.

Der Schuldenabbau kommt nur sehr langsam voran. Die Schulden seien zu hoch, sagte Terium: „Unsere Bilanz ist nicht in Ordnung“. 2011 hatte RWE rund 30 Milliarden Nettoschulden in den Büchern, 2012 waren es 33 Milliarden. Trotz des massiven Verkaufs von Unternehmensbeteiligungen, bei dem im Jahr 2012 2,1 Milliarden Euro erlöst wurden, sind vor allem die langfristigen Schulden des Konzerns gestiegen - auf rund 48 Milliarden Euro. Darin schlagen vor allem die hohen Rückstellungen für den Abbau der Kernkraftwerke zu Buche, die im vergangenen Jahr 10 Milliarden Euro betragen haben.

Auch im kommenden Jahr soll es keine Besserung geben: Die Nettoschulden sollen unverändert bleiben. Um sich besser aufzustellen, will der Konzern noch weiter kürzen, streichen, Stellen abbauen, Beteiligungen verkaufen. Die nächsten Kandidaten zum Verkauf stehen schon fest: RWE will seinen Gas- und Ölförderer Dea verkaufen und seinen tschechischen Ferngasnetzbetreiber Net4Gas.

Terium ist zwar ganz anders als sein Vorgänger, der polternde Jürgen Großmann. Während Großmann nie müde wurde, die Vorteile der Atomkraft zu betonen, konnte Terium in seiner neuen Funktion als RWE-Chef gar nicht schnell genug die völlige Abkehr des Konzerns von der Kernenergie verkünden. Doch auch Terium ist nicht zimperlich. Um die hohen Schulden des Konzerns abzubauen, kündigte er bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt bei Deutschlands größtem Energieversorger umfangreiche Stellenstreichungen an. Mehr als 10.000 sollen es am Ende sein. Seit 2011 mussten bereits 1860 Mitarbeiter gehen.

Gespart wird auch im Vorstand: Das im September aus dem Unternehmen scheidende Vorstandsmitglied Leonhard Birnbaum wird nicht ersetzt, seine Aufgaben im Bereich der kommerziellen Steuerung werden die übrigen Vorstandsmitglieder übernehmen.

RWE hat schon bessere Zeiten gesehen. Bei Teriums Amtsantritt hatte der Kurs der RWE-Aktien noch bei rund 34 Euro gelegen, Anfang Februar fielen die Aktien auf ihr bisheriges Jahrestief: 26,35 Euro. Zumindest die neuen Zahlen scheinen die Anleger zu erfreuen: An der Börse war RWE am Vormittag einer der Spitzenreiter. Die Papiere stiegen zeitweise auf bis zu 30 Euro.

Kommentare zu "„Unsere Bilanz ist nicht in Ordnung“"

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  • Cleveres Management sieht anders aus. Erst teuer einkaufen und wenn keine Ideen für eine Optimierung da sind, einfach verkaufen. Man kann von den Investmentunternehmen halten was man will. In der Beziehung arbeiten diese Unternehmen besser. Leider auch einige zu Lasten der Mitarbeiter.

  • @Papierkugel

    In diesem Handelsblatt-Artikel ist von 685 Mio € DEA Gewinn in 2012 die Rede (Ihre Zahl für 2011 kann ich nicht überprüfen).

    Es ist (leider) nicht so, daß durch den Schiefergas-Boom in den USA die Gaspreise global gefallen wären. In den USA hat sich der Gaspreis seit 2008 geviertelt, während er in Europa stabil geblieben ist, nicht zuletzt durch unsere Abhängigkeit von Russengas. Das Bohren nach Schiefergas in D und Europa wird von Umweltaktivisten blockiert, die Kampagne wahrscheinlich aus Rußland angeschoben oder gesteuert.

    Und der Ölpreis verharrt auf einem sehr hohen Niveau. RWE-Dea fördert viel Öl, nicht zuletzt in Nordafrika.

  • Ich zitiere mal aus einer dpa-Meldung. Dies belegt, dass Ihre Aussagen falsch sind:

    "Das Öl- und Gasgeschäft sei sehr kapitalintensiv und RWE müsse bei Investitionen auf die Bremse treten, sagte Terium zur Begründung der Verkaufsabsichten. Außerdem habe die Schiefergasförderung in den USA den Markt weltweit umgewälzt. Die zusätzliche Mengen drücken global die Gaspreise....
    RWE Dea hatte 2011 mit Öl und Gas knapp zwei Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinn nach Steuern von 197 Millionen Euro erwirtschaftet"

  • Weiter so! Zwar nicht gerade zurück in die Steinzeit, aber so eine Art Morgenthau-Plan light für D zeichnet sich schon ab.

  • NICHT GENUG GELD?
    Wollen die mich total vergackeiern ?
    Was machen die mit dem ganzen Geld? Heizen?
    Die Energiewende haben wir schon vor 20 Jahren bezahlt!
    Die ist übrigens schon längst überfällig, die wollen bloß die Umwelt zu nichte machen und den Ölscheichs das Geld in den Hintern stecken.

  • Zu dem Nettoergebnis von 1.3 Milliarden € hat die DEA mit 685 Millionen beigetragen. Das ist besonders clever, die Ertragsperlen zu verkaufen, wenn der Konzern in Schwierigkeiten steckt!

    SO hat es auch der Herr Frenzel gemacht, der den Mischkonzern Preussag in denTouristikkonzern TUI umgewandelt hat. Dabei hat er u.a. auch die Preussag Energie verkauft (ebenfalls Erdgas & Erdöl), an die Gaz de France. Seitdem dümpelt der Aktienkurs der TUI vor sich hin, der Konzern ist immer hart an der Witschaftlichkeitsgrenze.

    Die Börsen bejubelt solche Verkäufe, weil sie den Jahresgewinn erhöhen und so kurzfristig den Aktienkurs in die Höhe treiben. Die Aktionäre aber sollten entsetzt sein, den derartige Verkäufe von Ertragsperlen erodieren die mittel- und langsfristige Gewinnerwartung!

    Aber ie Konzernlenker wie Hrr Terium (und seinerzeit Herr Frenzel) sind nur kurzfristig orientiert. Was ist schon schöner als der Jahresbonus, und wenn's in einige Jahren nicht mehr so läuft - so what! Hauptsache erst mal Kasse gemacht!

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