RWE
Großmann plant harte Einschnitte

RWE-Chef Jürgen Großmann wird auf die neue Brennelementesteuer mit einem verschärften Sparprogramm reagieren. Er erwägt den Verkauf von Aktivitäten oder eine Kürzung der Dividende. Die jährlichen Kosten sollen so um 1,2 Milliarden Euro gesenkt werden.
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DÜSSELDORF. Der Aufsichtsrat des Unternehmens diskutierte nach Informationen des Handelsblatts am Donnerstag über eine Ausweitung des laufenden Programms zur Kostensenkung. Selbst Verkäufe von Aktivitäten, der Verzicht auf Investitionen oder eine Kürzung der Dividende sind nicht ausgeschlossen. Die Konzernstruktur wird bereits gestrafft.

Bislang plant RWE, bis 2012 die jährlichen Kosten um 1,2 Mrd. Euro zu senken. Bis zum Jahresende wird Großmann davon 800 Mio. Euro realisiert haben. Es sei zu erwarten, dass die Ziele für die verbleibenden zwei Jahre aufgestockt und das Programm über 2012 hinaus fortgeschrieben werde, hieß es in Konzernkreisen. Beschlüsse fasste das Gremium am Donnerstag aber noch nicht. Bis Februar, wenn die Bilanz für 2010 vorgelegt wird, will der Konzern seine mittelfristigen Ziele überprüfen.

"RWE sieht sich mit unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Belastungen im Kerngeschäft konfrontiert", erklärte das Unternehmen. Kurzfristig belasten vergleichsweise niedrige Notierungen im Stromgroßhandel bei gleichzeitig steigenden Rohstoffpreisen die Bilanz. Langfristig muss RWE mit milliardenschweren Belastungen aus dem Emissionshandel rechnen. Der Konzern ist mit seinen Kohlekraftwerken der größte CO2-Emittent Europas. Und auch das neue Energiekonzept bringt zunächst mehr Belastungen als Gewinne. Die Brennelementesteuer wird das Nettoergebnis pro Jahr um rund 500 Mio. Euro drücken.

RWE will deshalb die Struktur weiter straffen. Das Vertriebs- und Netzgeschäft in Deutschland wird unter einem Dach gebündelt und dem bisherigen Netz-Chef Arndt Neuhaus unterstellt. Gleichzeitig wird die Zahl der Mitarbeiter in der Holding auf rund 400 halbiert und die Anzahl der Bereiche um die Hälfte gesenkt. Die Mitarbeiter sollen aber in anderen Gesellschaften beschäftigt werden. Großmann will die Verwaltung ausdünnen, um "mehr Mitarbeiter im direkten Kontakt mit den Kunden vor Ort einzusetzen". Die Details wird das Management jetzt mit den Arbeitnehmervertretern aushandeln. Erste Gespräche stehen heute an.

Wie geplant wird der Konzernvorstand verkleinert. Chief Operating Officer Ulrich Jobs scheidet aus. Seine Aufgaben übernehmen die beiden Vorstände Rolf Martin Schmitz und Leonhard Birnbaum.

"Weiterhin stehen Überlegungen zur Kürzung von Investitionen, zur Veräußerung einzelner Geschäftsbereiche und die Anpassung der Bilanz- und Dividendenplanung auf dem Prüfstand", deutete der Konzern weitere Einschnitte an.

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  • Dies Atomkraftwerk - Laufzeitverlängerung ist rundherum ein riesiger Fehler. Was soll eine brennelementesteuer bitte bringen, wenn keiner weiß wohin mit dem Atommüll?

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