Trotz massiver Probleme mit dem russischen Partner Sintez will RWE
weiter um einen Einstieg beim Stromerzeuger TGK-2 kämpfen. Der Konzern stellt sich aber auf eine längere Hängepartie ein, wie das Handelsblatt aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen erfuhr.
DÜSSELDORF. "Die Verhandlungen laufen weiter", sagte ein Sprecher des Unternehmens. RWE
hatte im März im Rahmen der inzwischen abgeschlossenen Privatisierung der russischen Elektrizitätswirtschaft gemeinsam mit dem Mischkonzern Sintez den Zuschlag für TGK-2 erhalten. Sintez hat sich inzwischen die Mehrheit gesichert, zögert aber die mit RWE
vereinbarte Gründung eines Joint Ventures hinaus. Die Russen verlangen mehr Zugeständnisse als vereinbart. RWE
kann nur auf eine "vorläufige Absichtserklärung" pochen.
Die RWE
-Führung hatte in der vergangenen Woche erwogen, die Gespräche kurzfristig zu beenden. Inzwischen ist sie davon aber offenbar abgerückt und verhandelt wieder mit Sintez. Gleichzeitig hofft RWE
auch auf politische Unterstützung. Sintez habe den Zuschlag nur in Kombination mit RWE
erhalten, weil der Verkäufer, die inzwischen liquidierte staatliche Holding UES, Wert auf das Know-how des deutschen Stromproduzenten legte, heißt es. Auch ist der zweite Großaktionär von TGK-2, die Investmentgesellschaft Prosperity Capital Management, am Einstieg von RWE
interessiert.
Große Zugeständnisse will RWE
-Chef Jürgen Großmann nicht machen. Schließlich hat er die Devise ausgegeben, beim Einstieg in Russland behutsam vorzugehen. Er will vermeiden, dass RWE
später Wertberichtigungen vornehmen muss, wie sie jüngst bei der US-Wassertochter American Water erforderlich wurden.
Nach Einschätzung der Analysten von Sal. Oppenheim ist das finanzielle Risiko begrenzt. Sie schätzen, dass RWE
für seinen Teil an TGK-2, der rund 600 Mill. Euro umsetzt, etwa 350 Mill. Euro bezahlen muss.

