RWE
Vakuum an der Spitze

Das heftige Beben bei der WestLB in Düsseldorf erschüttert auch die Essener RWE. Nachdem Thomas Fischer wegen der Affäre um teure Fehlspekulationen bei der WestLB seinen Chefposten räumen muss, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auch als Aufsichtsratsvorsitzender von RWE zurücktritt.

DÜSSELDORF Für den Energiekonzern sind die Turbulenzen beim einflussreichen Aktionär fatal. Sie vergrößern das ohnehin gefährliche Machtvakuum. Schon seit einem halben Jahr leistet sich RWE eine beispiellose Hängepartie an der Konzernspitze. Der Niederländer Harry Roels weiß seit Anfang Februar, dass seine Zeit als Vorstandsvorsitzender abläuft und er keine zweite Amtsperiode ausüben darf. Seinen Vertrag soll der Chef auf Abruf bis Ende Januar 2008 erfüllen. Dann erst soll sein Nachfolger, der Stahlunternehmer Jürgen Großmann, das Ruder übernehmen.

Spätestens Anfang November wird das Führungschaos perfekt sein. Dann soll Großmann bereits in das Unternehmen treten und seinem Vorgänger auf die Finger schauen. Der alte und der neue Chef unter einem Dach? Diese Konstruktion kann nicht halten. Großmann muss sofort das Zepter übernehmen.

Und jetzt verfügt RWE nicht einmal mehr über klare Verhältnisse an der Spitze des Aufsichtsrates. Fischer ist zwar bis 2011 gewählt und kann nicht ohne weiteres abgelöst werden. Als geschasster WestLB-Chef ist er an der Spitze des Gremiums aber nicht mehr tragbar – und wird sicherlich selbst die Konsequenzen ziehen.

Dabei ist dieser Posten für die Machtbalance bei RWE so wichtig wie in kaum einem anderen Unternehmen. Die schwierigen Verhältnisse beim Ruhrgebietskonzern, in dem ständig der Ausgleich gesucht werden muss zwischen der Kapitalseite, den Vertretern der kommunalen Aktionären sowie zwei Gewerkschaften – IG Chemie und Verdi – erfordert eine klare Führung, die integrationsfähig und durchsetzungsstark ist. Fischer hat die Aufgabe dankbar angenommen und zur eigenen Profilierung genutzt – nicht zuletzt bei Roels’ Ablösung, der an der Börse einen exzellenten Ruf genießt.

Das Machtvakuum trifft RWE in einer heiklen Phase. Der Konzern sitzt durch den geschickten Verkauf von Thames Water auf einer prall gefüllten Kasse und gilt seit langem als potenzielles Ziel einer Attacke. Analysten schätzen den finanziellen Spielraum auf stolze 15 bis 20 Mrd. Euro. Gerüchte, Electricité de France könnte sich den Nachbarn aus Deutschland einverleiben, halten sich jedenfalls hartnäckig.

Auch aus Berlin und Brüssel weht dem Konzern ein scharfer Wind entgegen. Die EU droht mit der Abspaltung der Netze, die Bundesregierung will die Marktmacht der Versorger aufbrechen – und in der aktuellen Diskussion um die Kernkraft war von Harry Roels bislang nichts zu sehen.

Für RWE bleibt zu hoffen, dass zumindest an der Spitze des Aufsichtsrats bald wieder klare Verhältnisse herrschen.

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