Dem Essener Energieriesen RWE
könnte der mögliche Partner für die Übernahme des Kernkraftwerksbetreibers British Energy
abhandenkommen. Der Konzern will den Expansioskurs seinem Chef Jürgen Großmann zufolge nicht um jeden Preis vorantreiben.
HB HAMBURG/STOCKHOLM. "RWE wird sich nicht in irgendeinen Bieterkampf begeben", betonte Großmann am Dienstagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. RWE
werde zukaufen, "wenn sich eine Gelegenheit ergibt". Der seit sieben Monaten amtierende RWE
-Chef will den Essener Konzern nach früheren Aussagen auch mit Akquisitionen in Europa an die Spitze führen. Dazu plant Großmann Übernahmen in den bisherigen RWE
-Kernregionen sowie in Ost- und Südosteuropa.
Zu den Kernregionen gehört Großbritannien, wo derzeit der Atomkraftwerksbetreiber British Energy
von zahlreichen Interessenten umworben wird. Großmann ging nicht auf die Frage ein, ob RWE
Interesse an den Briten hat. Nach Angaben aus Branchenkreisen hat der Konzern für den Betreiber von acht Atomkraftwerken knapp 14 Mrd. Euro geboten - dies wäre die größte Übernahme in der 110-jährigen Firmengeschichte.
Mitte April war verlautet, RWE
werde für British Energy
bieten und bei einem Zuschlag einige Anlagen an Vattenfall weiterreichen. Doch auf den potenziellen Partner können die Essener nun offenbar nicht mehr zählen. Die schwedische Regierung habe den Staatskonzern Vattenfall angewiesen, die Übernahmepläne für British Energy
nicht weiter zu verfolgen, schrieb die Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" mit Verweis auf mit der Situation vertraute Kreise am Mittwoch. Eine Sprecherin von Energieminister Maud Olofsson wollte dies nicht kommentieren. Vattenfall war unmittelbar nicht für einen Kommentar verfügbar.
Mit Blick auf den enttäuschend verlaufenen Börsengang der ungeliebten US-Wassertocher American Water sagte Großmann: "Ich bin froh, dass wir sie jetzt los sind." Weitere Anteile werde RWE
nach Ablauf der Haltefrist "schonend" verkaufen. RWE
hatte vergangene Woche 36 Prozent des Kapitals von American Water an die Börse gebracht und dabei weit weniger eingenommen als erwartet. Analysten hatten daraufhin vermutet, RWE
sei von Banken schlecht beraten worden.
Der RWE
-Chef hatte im Herbst mit Verweis auf die Finanzmarktkrise den Gang aufs Parkett zunächst abgeblasen und damit die Anleger verprellt. Bis Ende 2008 will sich RWE
ganz von seiner Beteiligung trennen. Die nächsten Anteile der Tochter kann RWE
frühestens im Herbst verkaufen, wenn die Haltefrist von 180 Tagen endet.
Großmann bekräftigte, dass RWE
nicht bei der Hamburger Solarfirma Conergy einsteigen werde.

