RWE
Vorwärts-Strategie gesucht

Der Verkauf von Thames Water hat RWE-Chef Harry Roels einen Achtungserfolg eingebracht: Mit zwölf Milliarden Euro übertraf das Volumen der Transaktion die ursprünglichen Erwartungen deutlich. Die eigentliche Bewährungsprobe steht dem Niederländer aber noch bevor.

DÜSSELDORF. Nach dem Verkauf von Thames Water muss RWE-Chef Harry Roels nun beweisen, dass er die neu gewonnene Finanzkraft auch sinnvoll einsetzen kann. Von einer schlüssigen Wachstumsstrategie dürfte nicht zuletzt seine eigene Zukunft abhängen.

Seit dem Amtsantritt im Frühjahr 2003 hat der ehemalige Shell-Manager sich aufs Abstoßen und Verschlanken konzentriert. Schnell brach er mit der Strategie seines Vorgängers Dietmar Kuhnt, der RWE mit Milliardensummen zum Rundum-Versorger für Strom, Gas, Wasser und Entsorgung umgebaut hatte. Zuerst leitete Roels den Ausstieg aus der Müllsparte ein, vor einem Jahr stellte er Thames Water und American Water zum Verkauf. RWE soll sich wieder auf das renditestarke Strom- und Gasgeschäft konzentrieren.

Die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Vor dreieinhalb Jahren drückten den Konzern noch Schulden von über 23 Milliarden Euro. Nach dem Verkauf von Thames Water dürfte RWE inzwischen über eine positive Nettofinanzposition von knapp drei Milliarden Euro verfügen. Das heißt: das Finanzvermögen übersteigt inzwischen die Verbindlichkeiten. Der für 2007 geplante Börsengang von American Water dürfte weitere sieben Milliarden Euro in die Kasse spülen.

Auch andere Kennzahlen haben sich unter Roels Ägide gebessert. Die Kosten werden zum Jahresende um knapp 700 Millionen Euro niedriger liegen als Anfang 2003. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) fiel schon 2005 mit 14,7 Prozent über vier Prozentpunkte höher aus als drei Jahre zuvor.

So weit, so gut. Inzwischen plagt RWE aber ähnlich wie Eon ein anderes Problem, wenn auch ein Luxusproblem. Der Konzern weiß nicht so richtig, wohin mit seinem Geld. Zwar hat Roels den Aktionären versprochen, sie am Ausstieg aus dem Wassergeschäft teilhaben zu lassen. Für 2006 und 2007 will er jeweils zwischen 70 und 80 Prozent des Nettoergebnisses als Dividende ausschütten. Da der Konzern mittelfristig wieder eine – betriebswirtschaftlich sinnvolle – Nettoverschuldung von zehn Milliarden Euro anstrebt, dürften Roels nach dem Verkauf von American Water dennoch rund 20 Milliarden Euro für die Expansion zur Verfügung stehen.

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