RWE
„Wir vergrößern unseren Heimatmarkt“

RWE atmet auf. Die Übernahme des niederländischen Versorgers Essent ist perfekt. Bis zuletzt gab es Vorbehalte. Dennoch: Der Chef der neuen RWE-Tochter, Peter Terium, sieht viel Potenzial. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er, warum die beiden Unternehmen aus seiner Sicht so gut zusammen passen.

Herr Terium, nach langem Gerangel ist seit gestern der Kauf des niederländischen Versorgers Essent perfekt. Wie wichtig ist die Übernahme für RWE?

Essent passt strategisch perfekt zu uns. Wir vergrößern gewissermaßen unseren Heimatmarkt und haben eine Brücke geschlagen von unseren Aktivitäten in Großbritannien über die Benelux-Staaten und Deutschland nach Ost- und Südosteuropa. Wir haben den niederländischen Markt schon lange beobachtet - und im vergangenen Sommer, als die zwei größten Versorger Essent und Nuon zum Verkauf gestellt wurden, haben wir uns für beide beworben.

Warum haben Sie sich letztlich für Essent entschieden?

Erstens stand Essent komplett zum Verkauf, Nuon nur zum Teil. Zweitens hat der Prozess schlicht zuerst begonnen - und da nehmen Sie den ersten Zug, wenn Sie nicht wissen, wann der zweite kommt. Drittens - und das ist das Wichtigste - passt Essent mit seinen Aktivitäten, seinem Know-how und seiner Kultur besser zu uns.

Was passt denn so gut?

Wir liegen sowohl physisch als auch kulturell beieinander. Essent ist im Osten und Südosten der Niederlande zuhause und grenzt damit an unser Stammland. Die Menschen hier sind - anders als die Kaufleute an der Küste, die früher die Weltmeere besegelt haben - von Gediegenheit und Bodenständigkeit geprägt. Das entspricht der Mentalität von RWE.

Und inwiefern passen die Aktivitäten zusammen?

Essent hat zahlreiche Gasanlagen, RWE plant dagegen in Eemshaven ein Kohlekraftwerk für Mittel- und Grundlast. Essent hat viele sehr gute Ingenieure und für RWE war es immer wichtig, eine hohe Ingenieurkompetenz im Unternehmen zu haben. Wie bei RWE schlägt bei Essent das kommerzielle Herz in einer starken Trading-Abteilung. Das sind nur ein paar Beispiele.

RWE ist nicht mit offenen Armen empfangen worden. In der Landesregierung und in einigen Provinzen gab es Vorbehalte gegen den deutschen Konzern, Umweltverbände stellten RWE als Klimakiller an den Pranger. Hatten Sie diese Widerstände erwartet?

Wir hatten erwartet, dass es nicht einfach wird. Essent und Nuon sind für die Niederlande, was RWE und Eon für Deutschland sind. Daran hängen viele Emotionen und es gibt eine starke Verwurzelung mit den Aktionären. Aber wir hatten nicht erwartet, dass es so schwierig wird. Im Gegensatz dazu ist der Kauf von Nuon bei Vattenfall ja geradezu geräuschlos durchgegangen. Dabei haben wir doch eigentlich einen ähnlichen Mix in der Erzeugung. Man darf das aber alles auch nicht überbewerten. Es gab einzelne Interessen gegen uns, aber keine geballte Front. Wichtig war für uns, dass wir von Anfang an die uneingeschränkte Unterstützung des Managements hatten.

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