Saab am Ende
Trauer in Trollhättan

Trauer, Bestürzung und Zorn prägten am Wochenende die westschwedische Stadt Trollhättan. Am Freitag hatte General Motors (GM) endgültig die Schließung seiner Tochter Saab bekanntgegeben. Damit ist die Zukunft der knapp 3400 Saab-Mitarbeiter sowie weiterer knapp 5000 Jobs in der Zuliefererindustrie höchst unsicher.
  • 0

HB STOCKHOLM. "Die Enttäuschung bei uns ist riesengroß", sagt Saab-Chef Jan-Åke Jonsson.Und bringt damit auf den Punkt, was ganz Trollhättan seit Freitag fühlt, als General Motors das Aus für die schwedische Traditionsmarke bekanntgab. Er selbst habe bis zuletzt noch an eine Lösung geglaubt.

Bis zuletzt hatten auch die Beschäftigten gehofft, GM könnte doch noch einen Käufer für den seit knapp 20 Jahren verlustreichen Automobilkonzern finden. GM hatte seine kleine schwedische Tochter bereits im Februar dieses Jahres unter Zwangsverwaltung gestellt. Hoffnung auf eine Fortführung des Unternehmens machte sich im Sommer breit, als der ebenfalls schwedische Sportwagenhersteller Koenigsegg zusammen mit dem chinesischen Autobauer BAIC Interesse an einer Saab-Übernahme bekundete. Doch der Deal platzte überraschend vor einem Monat.

GM gab Saab eine Galgenfrist bis Jahresende, um doch noch einen Käufer zu finden. Zuletzt wollte der niederländische Sportwagenhersteller Spyker bei den Schweden einsteigen. Doch am Freitag erklärte die GM-Führung in Detroit auch diese Gespräche für gescheitert, der Konzern will Saab nun "unter geordneten Formen" zum Jahresende schließen.

Wie das genau aussehen soll, ist bislang nicht klar. Ungewiss ist auch, ob die Produktion des neuen Saab 9-5 überhaupt anlaufen kann. Die Produktionsanlagen für das Vorgängermodell sowie den alten Saab 9-3 hatte BAIC bereits vor zwei Wochen für eine unbekannte Summe gekauft. Das chinesische Unternehmen will die Modelle unter eigenen Namen in China weiterbauen. GM sagte aber zu, dass Service, Garantie und die Ersatzteilversorgung langfristig gesichert sind. In Schweden berichteten Händler am Wochenende, dass das Interesse am Kauf eines Saab sogar gestiegen sei. "Viele wissen, dass das ein gutes Auto ist und wollen sich jetzt noch schnell eines der letzten Exemplare sichern", sagte Gunnar Kjellman, Chef eines Stockholmer Autohauses.

Die Ursachenforschung, warum der Verkauf endgültig scheiterte und die 1947 gegründete und 1990 von GM komplett übernommene Marke stirbt, standen am Wochenende im Vordergrund: Was hat zu dem vorzeitigen Stilllegungsbeschluss von GM geführt? Was passiert mit den bis zu 8000 betroffenen Mitarbeitern? Gibt es noch eine Chance, das neue Modell auf den Markt zu bringen? "Wir haben viele, viele Fragen und noch keine einzige Antwort", sagte der Vorsitzende der Metallgewerkschaft bei Saab, Paul Åkerlund.

Seite 1:

Trauer in Trollhättan

Seite 2:

Kommentare zu " Saab am Ende: Trauer in Trollhättan"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%