Saab
Der harte Kampf gegen den Konkurs

Auch am verlängerten Mittsommer-Wochenende wurden in Schweden intensive Verhandlungen zur Rettung des schwer angeschlagenen Autoherstellers Saab geführt.
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StockholmEin Schlüssel zur Lösung des akuten Liquiditätsengpasses ist der Verkauf der Fabrikanlage von Saab in Trollhättan an der westschwedischen Küste. Saab will die Gebäude nach dem Verkauf zurückleasen. Das Unternehmen hofft, durch den Fabriksverkauf kurzfristig rund 300 Millionen Kronen (32,5 Millionen Euro) zu erhalten. Ein Interessent ist der Immobilien-Investor Hemfosa. Hemfosa-Chef Jens Engvall erklärte heute, dass er in ständigen Kontakt mit allen Beteiligten stünde. Es würden aber noch einige Pusselstücke bis zur endgültigen Vertragsunterzeichnung fehlen.

Saab hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass die Juni-Löhne für die rund 3700 Mitarbeiter nicht ausgezahlt werden können. Damit nahm die Lage für den seit Jahren angeschlagenen Autohersteller eine neue dramatische Wende. Denn die Gewerkschaften, die die Saab-Mitarbeiter vertreten, können bis Ende der kommenden Woche einen Konkursantrag stellen, sollten bis dahin die Löhne und Gehälter nicht ausgezahlt werden. „Ich hoffe und rechne damit, dass es soweit nicht kommen wird“, sagte Håkan Skött, Vorsitzender der Metallgewerschaft in Trollhättan. Eine Saab-Sprecherin erklärte, dass man rund um die Uhr an einer Lösung arbeite.

Der niederländische Saab-Chef und Haupteigner Victor Muller befand sich unterdessen in den USA, um mit dem ehemaligen Saab-Mutterkonzern General Motors (GM) über die neuen Schwierigkeiten zu reden. GM ist noch immer an Saab beteiligt, will aber in den kommenden Jahren ganz aussteigen. Über Ergebnisse der Gespräche zwischen Muller und GM gab es keine Informationen.

Dagegen bekräftigte der chinesische Autohändler Pang Da sein Interesse an einem Einstieg bei Saab. „Unsere Pläne haben sich nicht verändert“, erklärte ein Sprecher der Unternehmensleitung. „Saab hat kurzfristige Schwierigkeiten, die aber lösbar sind.“  Pang Da will zusammen mit dem chinesischen Auto-Konzern Youngman Lotus Automobile 245 Millionen Euro in die einstige schwedische Kultmarke investieren.

Die im vergangenen Jahr von GM Motors an den mittlerweile in Swedish Automobile umbenannten niederländischen Sportwagenhersteller Spyker verkaufte Marke litt von Anfang an unter großen Problemen. Statt der für 2010 prognostizierten 60.000 Wagen verkaufte Saab nur knapp über 30.000 Autos. Die für dieses Jahr zunächst angepeilten 100.000 Autos können wegen eines anhaltenden Produktionsstopps ebenfalls nicht mehr erreicht werden.

Die enormen Liquiditätsprobleme zwangen Saab im April zu einem bis heute anhaltenden Produktionsstopp, da Zulieferer wichtige Bauteile als Pfand für unbezahlte Rechnungen zurückbehalten hatten.

Die schwedische Regierung hat ihre Haltung nicht geändert und wird Saab nicht finanziell unter die Arme greifen. In der schwedischen Presse wird diese Haltung überwiegend begrüßt. Eine Regierung könne keine Autos bauen, heißt es in einem Kommentar. Analysten in Schweden beziffern den Kapitalbedarf von Saab auf mehrere Milliarden Kronen. Trotz des eventuellen Verkaufs der Fabrikanlagen und des Einstiegs der chinesischen Investoren sei Saab davon „weit entfernt“, sagte Martin Sköld, Automobil-Experte der Stockholmer Handelshochschule.

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