Das Ende des Saar-Bergbaus scheint nach dem historischen Grubenbeben vom Samstag besiegelt. Zwar erklärte der Vorstandsvorsitzende der RAG AG, Bernd Tönjes, am Montag, er sehe noch eine Chance, den Abbau doch wieder aufzunehmen. Ministerpräsident Peter Müller (CDU) macht aber wenig Hoffnung.
Durch ein Tor ist das menschenleere Steinkohlebergwerk in Ensdorf zu sehen. Ein Erdbeben der Stärke 4,0 hatte am Samstag Teile des Saarlandes erschüttert. Foto: dpa
HB SAARBRÜCKEN. Müller betonte nach dem gemeinsamen Krisengespräch in Saarbrücken, dass die Landesregierung nicht mehr mit einer Aufhebung des Abbaustopps rechne. Die Gewerkschaft IG BCE warnt indes vor dem Verlust von 10 000 Arbeitsplätzen.
Die endgültige Entscheidung für die Saar-Kohle sei in zwei bis drei Wochen zu erwarten, erklärte Müller. Eine Überprüfung komme aber nur bei einem "zweifelsfreien Nachweis" des Unternehmens in Betracht, dass eine Gefahr für Leib und Leben der Menschen über- und untertage sicher ausgeschlossen werden könne. "Es wird kein Experiment mit offenem Ausgang mehr geben."
In den kommenden Tagen werde Kurzarbeit für die 3 600 Betroffenen beantragt, sagte RAG-Vorstandschef Bernd Tönjes in Saarbrücken nach dem Treffen mit der Landesregierung. Tönjes betonte, dass sein Unternehmen von einem derart schweren Beben „völlig überrascht“ worden sei. „Wir bedauern das zutiefst.“ Das Unternehmen erwäge keinesfalls, gegen den Abbaustopp juristisch vorzugehen. „Da müssen wir gar nicht drüber reden.“ Tönjes führte das Beben auf eine Sandsteinbank zurück, die aus bisher unbekannter Ursache etwa 280 Meter hinter dem aktuellen Kohleabbau durchgebrochen sei. Fachleute prüften derzeit, ob mit einer Technologie aus der Erdölindustrie derartige Formationen schon voher so zerstört werden könnten, dass keine größeren Spannungen mehr aufträten.
Der RAG -Chef versicherte, das Unternehmen werde sich gleichzeitig mit der Landesregierung und den Arbeitnehmervertretern an einer Arbeitsgemeinschaft beteiligen, die einen sozialverträglichen Ausstieg aus dem Bergbau vorbereiten solle. Nach seinen Angaben sind 4 825 Mitarbeiter der Deutschen Steinkohle AG (DSK) an der Saar sowie etwa ebenso viele Beschäftigte in den vom Bergbau abhängigen Branchen betroffen. Müller schätzte die Dimensionen deutlich geringer ein.
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Weiter sagte Müller, für die saarländische Industrie seien keine ernsthaften Versorgungsengpässe zu erwarten. Allerdings müssen sich die Kraftwerke nach den Worten von Wirtschaftsminister Joachim Rippel (CDU) sehr schnell an die neue Situation anpassen: An zwei Standorten könnten die Vorräte an Saar-Kohle schon in vier Wochen ausgehen.
Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) warnte am Montag vor dem Verlust von rund 10 000 Arbeitsplätzen im saarländischen Bergbau und der von ihm abhängigen Industrie. Die saarländische Politik dürfe keinen Bergmann "ins Bergfreie fallen lassen", sagte IG BCE-Bezirksleiter Dietmar Geuskens. "Die Bergleute sind seit vergangenem Samstag natürlich in größter Sorge über ihre berufliche Zukunft und die wirtschaftliche Existenz ihrer Familien", betonte er.
Endgültige Entscheidungen über die Zukunft des Saar-Bergbaus dürften erst getroffen werden, wenn die endgültigen Untersuchungsergebnisse zu dem Unglück am Samstag vorlägen, erklärte er. Laut IG BCE sind neben den 3 600 freigestellten Bergwerks-Beschäftigten rund 6 000 Beschäftigte in der Zuliefererindustrie und knapp 400 Auszubildende betroffen.
Das Saarland war am Samstag von dem bisher stärksten Grubenbeben mit einer Stärke von 4,0 erschüttert worden, viele Gebäude wurden beschädigt. Der Erdstoß war der 35. dieses Jahres mit einer Stärke von mehr als 2,0. Im Saarland richten Grubenbeben immer wieder Schäden an Häusern und Infrastruktur an.

