Saargummi
Betriebsrat warnt vor Betrug

Im Unternehmen Saargummi brodelt es: Bei dem Automobilzulieferer wird derzeit hart um die Zukunft des Unternehmens gerungen. Wenn das Liquiditätspolster von Saargummi den Wert von fünf Millionen Euro unterschreitet, fallen drei Viertel der Anteile des Unternehmens an einen Treuhänder.
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DÜSSELDORF. Der Konflikt zwischen den Mitarbeitern und der Geschäftsführung von Saargummi spitzt sich zu. Wie das Handelsblatt berichtete, tobt bei dem Automobilzulieferer ein Kampf um die Zukunft des Unternehmens. Wenn das Liquiditätspolster von Saargummi den Wert von fünf Millionen Euro unterschreitet, fallen drei Viertel der Anteile des Unternehmens, die derzeit dem Finanzinvestor Odewald & Compagnie gehören, an einen Treuhänder. Dessen Aufgabe wäre es, die Anteile meistbietend zu verkaufen. Odewald & Compagnie teilte über einen Anwalt mit, die Liquidität von Saargummi sei gesichert. Gleichzeitig verhandelt aber die Geschäftsführung von Saargummi mit dem Betriebsrat über massive Kosteneinsparungen.

Nach Informationen des Handelsblattes stocken die Gespräche aber. Die Mitarbeiter verlangen, dass nicht nur sie finanzielle Zugeständnisse machen, sondern auch die Banken und der Investor Odewald & Compagnie ihren Teil zur Gesundung des Unternehmens beitragen.

Gleichzeitig herrscht tiefes Misstrauen. In einer Mail des Betriebsrates an die Geschäftsführung heißt es: "Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass der Betriebsrat es als seine Pflicht ansieht und auch rechtlich entsprechend beraten wurde, ab sofort sämtliche Aktivitäten der Geschäftsführung schriftlich zu dokumentieren." Dann die Warnung: "Hierdurch könnten im Falle einer Unternehmensinsolvenz im Rahmen der Insolvenzanfechtung Vermögensverschiebungen und sonstige Aktivitäten rückgängig gemacht werden." Der Betriebsrat fürchtet, dass "Maschinen, Anlagen, Werkzeuge und anderes an Fremdunternehmen oder ausländische Tochtergesellschaften" verlagert werden.

Saargummi war 2007 von Odewald & Compagnie gekauft worden und wurde durch die Krise der Automobilbranche schwer mitgenommen. Mitarbeitervertreter machen jedoch auch die Schuldenlast schon vor der Krise für die Schieflage verantwortlich. Das Unternehmen hat weltweit 4 000 Mitarbeiter und macht rund 400 Mio. Umsatz.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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