Saarländischer Stahlkonzern
Dillinger Hütte will unabhängig bleiben

Der saarländische Stahlkonzern Dillinger Hütte geht nach dem jüngsten Rekordergebnis von einer weiterhin erfreulichen Geschäftsentwicklung aus. Sorge bereitet dem Unternehmen allerdings der starke Anstieg der Rohstoffpreise.

DILLINGEN. "2008 könnte ebenfalls ein sehr gutes Jahr für unser Unternehmen werden", sagte Vorstandschef Paul Belche bei der Bilanzvorlage in Dillingen. Außerdem bekräftigte er, der drittgrößte deutsche Stahlkonzern wolle eigenständig bleiben. Weder eine stärkere Anlehnung an den Mehrheitsaktionär Arcelor -Mittal noch an den Partner Saarstahl stünden auf der Agenda.

Sorge bereitet dem Stahlmanager aber der starke Anstieg der Rohstoffpreise. Am Dienstag gab der koreanische Stahlriese Posco bekannt, neue Jahresverträge für Kokskohlelieferungen aus Australien abgeschlossen zu haben, der gegenüber 2007 eine Preissteigerung von 200 Prozent vorsieht. Branchenkenner erwarten, dass dieser Pilotabschluss des viertgrößten Stahlproduzenten der Welt die Richtschnur für die gesamte Stahlbranche sein wird.

Infolge des neuerlichen Kostenschubs gerieten Stahlaktien unter Druck. Der Posco-Kurs gab um fünf Prozent nach, die Aktien von Thyssen -Krupp und Salzgitter verloren bis zu drei Prozent. Mit dem Vertragsabschluss von Posco sind auch die Hoffnungen der Stahlhersteller auf einen günstigeren Abschluss als bei Eisenerz verflogen. Dessen Preis hat sich Anfang April um 65 Prozent verteuert.

Wie die übrige Branche ist Belche allerdings zuversichtlich, die Kostensteigerungen an die Kunden weiterreichen zu können.

Nach moderaten Preiserhöhungen im ersten und zweiten Quartal kündigte der Dillinger-Chef für das dritte Quartal eine "stärkere" Erhöhung der Verkaufspreise an, um die Gewinnmargen stabil zu halten. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl entfallen bereits mehr als zwei Drittel der gesamten Herstellungskosten in der deutschen Stahlindustrie auf Rohstoffe und Energie.

Die Dillinger Hütte hat 2007 Produktion und Absatz leicht steigern können. Der Umsatz stieg insbesondere als Folge von höheren Verkaufspreisen deutlich stärker um fast 16 Prozent auf 2,63 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich um knapp 21 Prozent auf 493 Mill. Euro. Mit einer Ebit-Marge, die sich laut Finanzchef Fred Metzken auf 24,1 Prozent (Vorjahr: 22,5 Prozent) verbesserte, zählt die Dillinger Hütte auch international zu den Spitzenverdienern in der Branche.

Von daher hat Vorstandschef Belche durchaus Verständnis, dass Mehrheitsaktionär Arcelor -Mittal seinen Einfluss ausbauen will. Der weltgrößte Stahlhersteller hält zwar die Kapitalmehrheit, nicht aber die Stimmenmehrheit an der Dillinger Hütte. Die Gespräche mit den anderen Anteilseignern über eine stärkere Einbindung in den Arcelor-Mittal -Konzern wurden jedoch abgebrochen. "Die Dillinger Hütte hat im Augenblick nur glückliche Aktionäre", sagte Belche mit Blick auf das Rekordergebnis.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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