Sabic-Chef im Interview: "Wir sind das bevorzugte Chemie-Unternehmen"

Sabic-Chef im Interview
"Wir sind das bevorzugte Chemie-Unternehmen"

Das saudische Unternehmen Sabic ist einer der führenden Petrochemie-Hersteller und das größte börsennotierte Unternehmen der Welt. Selbst in der Krise machte Sabic noch Milliardengewinne. CEO Mohamed Al-Mady über die Expansionspläne seines Unternehmens.
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Handelsblatt: Herr Al-Mady, SABIC ist in den vergangenen Jahren zu einem der größten und ertragsstärksten Petrochemie-Konzerne herangewachsen. Wo wird die nächste Expansionsphase hinführen, wollen Sie der BASF die Führungsposition in der Chemiebranche streitig machen?

Mohamed Al-Mady: Nein, nein von BASF sind wir noch weit entfernt. Die ist ja fast dreimal so groß wie wir. Natürlich werden wir kräftig wachsen in den nächsten Jahren. Aber Größe ist nicht unser primäres Ziel. Wir wollen Qualität produzieren. Es geht uns darum, SABIC stärker und stärker zu machen. Nach den Entwicklungsschritten der letzten Jahre haben wir dazu jetzt die Werkzeuge in der Hand.

Immerhin haben Sie sich das Ziel gesetzt, das "bevorzugte führende Chemieunternehmen" der Welt zu werden.

Bevorzugt bedeutet nicht unbedingt das größte Unternehmen.

Sondern?

Es bedeutet, die Kunden mögen Ihre Produkte und Ihren Service. Ein bevorzugtes Unternehmen ist integer. Es produziert an mehreren Standorten und bietet damit Liefersicherheit. Wir wollen insgesamt gut darin sein, was wir tun, und Innovationen bringen.

Es beginnt also eine neue Phase für SABIC?



Wir verfolgen eine langfristig kalkulierte Wachstums-Strategie. Am Anfang mussten wir Chemie-Partner aus den USA, Europa und Japan nach Saudi-Arabien locken, indem wir ihnen im Gegenzug langfristige Ölkontrakte anboten. Damals bestimmten noch die Partner über unser Produktprogramm und unsere Investitionen. Aber ab Mitte der 90er Jahre haben wir unser Schicksal selbst in die Hand genommen und eigene strategische Geschäftseinheiten gebildet. Später folgte die Übernahme der DSM Petrochemie der britischen Aktivitäten von Huntsman. Und der Kauf von GE Plastics. Parallel dazu haben wir unsere Strukturen in Ordnung gebracht.

Zudem Sie haben in den letzten Jahren ihre Kapazitäten stark erweitert. Das müsste doch einen erheblichen Wachstumsschub bringen.

Ja, die großen Investments werden jetzt zusätzlichen Umsatz und Ertrag liefern, und nicht mehr nur Geld Kosten. Wichtig ist dabei, dass wir jetzt hier in Saudi-Arabien auch technische Kunststoffe produzieren, die es vorher nicht gab. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, dass sich Kunststoff-Verarbeiter etablieren, die aus diesen Materialien Produkte produzieren, etwa für die Automobilindustrie oder den Gesundheitssektor.

Will SABIC selbst denn auch in die Weiterverarbeitung einsteigen?

Nein, wir wollen keine Konsumprodukte oder Automobilteile produzieren, sondern nur die Kunststoffe liefern. Aber SABIC kann ein Katalysator sein für die weitere Entwicklung der Industriestrukturen in Saudi-Arabien. Manchmal schafft das Angebot die Nachfrage.

Ihre Strategie führt aber auf jeden Fall stärker in Richtung Spezialchemie?

Ja klar. Für SABIC ist es ein zentrales Ziel, unsere Fähigkeiten stetig zu erweitern. Sie müssen sich im Markt differenzieren durch Innovationen und Produkte mit höherer Wertschöpfung.

An welche Produktgruppen denken sie denn?

Wir sind zum Beispiel mit unseren technischen Kunststoffen inzwischen stark in der Automobilindustrie und Luftfahrtindustrie vertreten. Damit sind auch weitere Materialien wie Polyurethane oder Nylon für uns interessant, die ebenfalls im Auto verbaut werden. Wir arbeiten daran, unser Sortiment durch solche Produkte zu erweitern, ob durch organisches Wachstum oder Akquisitionen.

Sie investieren auch im Bereich Synthesekautschuk

Ja, wir sind dabei auch das aufzubauen. Das wird ein neuer Bereich an Spezialprodukten.

Andererseits brauchen sie für neue Produkte wie Polyurethane die Technologie.

Polyurethane kann man heute von überall her kriegen. Das haben die Deutschen und Japaner nicht mehr alleine. Da gibt es momentan vielleicht nur fünf große Akteure. Aber im Prinzip kann man diese Technologien kaufen.

Und Sie wollen das nutzen?

Ja, wir planen in dem Bereich zu investieren in der Zukunft.

Welche Rolle werden Akquisitionen künftig spielen?

Wir wollen unser Geschäft durch organisches Wachstum, Joint Ventures, Innovationen und auch durch weitere Akquisitionen ausbauen.

Ihr letzter großer Zukauf, GE Plastics, bereitete nach der Übernahme erhebliche Probleme. Schreckt Sie das vor weiteren Deals nicht ab?

Zu dem Zeitpunkt als wir GE Plastics kauften, konnte niemand die Situation von 2008 und 2009 voraussehen. Niemand hatte das erwartet. Und es wäre auch falsch, nur auf die kurzfristigen finanziellen Aspekte zu schauen. Wir glauben, dass wir damit langfristig eine sehr gute Investition getätigt haben. Aber es erfordert eben etwas Geduld bis sich der Staub gelegt hat.

Ist SABIC nach der starken Expansion der letzen Jahre denn schon wieder gerüstet für neue Akquisitionen?

Wir haben in den letzten Jahren parallel zum Wachstum unser Haus in Ordnung gebracht und uns von einer fragmentierten zu einer konsolidierten Firma gewandelt. Wir verfügen heute über alle Einheiten, etwa für Strategie und Bewertungen, um solche Transaktionen schneller und besser als in der Vergangenheit durchzuziehen. Aber das hängt immer von den richtigen Gelegenheiten ab. Wir untersuchen viele Möglichkeiten, doch in 90 Prozent der Fälle passiert nichts. Die guten Firmen stehen nicht immer zum Verkauf.

Es könnten sich doch durchaus weitere Gelegenheiten ergeben. Falls sich Bayer zum Beispiel von ihrem Kunststoffgeschäft BMS trennen sollte, wäre da nicht zumindest der Polyurethan-Teil für Sie interessant?

Wir prüfen immer wieder Dinge, aber meines Wissens steht von Bayer derzeit nichts zum Verkauf.

Vielleicht nicht jetzt, eventuell aber in der Zukunft

Das ist dann eine Frage für die Zukunft. Jetzt sprechen wir über heute.

An Zukäufen in der Petrochemie, wo zum Beispiel Firmen wie Lyondell-Basell oder die Basischemie von Dow auf den Markt kommen könnten, scheinen sie kein Interesse mehr zu haben.

Nein so kann man das nicht sagen. Wir halten, wie gesagt, stets die Augen offen für Akquisitions-Gelegenheiten. Aber wir sind inzwischen in der Petrochemie auch sehr groß und müssen daher in bestimmten Ländern und bei manchen Produkten kartellrechtliche Hürden beachten. Da könnten leicht marktbeherrschende Positionen entstehen.

In der Vergangenheit spielten Partnerschaften eine sehr große Rolle für SABIC. Würde das nicht auch für den Vorstoß in die Spezialchemie Sinn machen?

Ja, das wäre eigentlich unsere Präferenz. Aber wir wissen auch, dass das für beide Seiten Sinn machen muss. Wir brauchen Technologien und Marktzugang, die westlichen Firmen verlässliche Partner und Rohstoffe. Das kann eine Erfolgsformel sein.

Wer wären denn zum Beispiel Ihre drei bevorzugten Partner?

Das kann man nicht so einfach beantworten. Und es ist auch nicht mein Stil, in dieser Hinsicht Ranglisten aufzustellen. Jede Firma hat ihre besonderen Stärken. Natürlich bevorzugen wir es, mit den jeweils führenden Firmen zu kooperieren. In Deutschland zum Beispiel würden wir liebend gerne Geschäft mit der BASF machen.

Aber gerade die deutschen und die meisten europäischen Chemiefirmen haben einen Bogen um den mittleren Osten gemacht. Warum eigentlich?

Das müssen Sie die fragen. Die Amerikaner und die Japaner sind gekommen. SABIC ist offen für Deals. Aber die Europäer entschieden sich irgendwann, nicht im mittleren Osten zu investieren. Vielleicht hatten Sie es uns nicht zugetraut, die nötige Infrastruktur und das Personal aufzubauen. Einige haben sicherlich auch kein Interesse daran, ihre Technologien mit anderen zu teilen. Sie genießen ihre Marktstellung bei höher veredelten Produkten lieber alleine. Aber wenn diese Produkte einmal zu Standardprodukten werden, sieht man das vielleicht anders. Ich glaube die meisten Firmen bereuen es, nicht nach Saudi-Arabien gekommen zu sein.

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