Sachalin Zwei
Russland droht Shell mit Milliardenklage

Russland hat dem Ölkonzern Shell mit einer Milliardenklage wegen seines Flüssiggasprojekts Sachalin zwei gedroht. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass Shell die Lizenz gänzlich verliert. Das Unternehmen streitet sich mit der Regierung um Umweltschäden, die bei der Förderung entstanden sind.

HB MOSKAU. Russland hat dem Ölkonzern Shell mit einer Milliardenklage wegen seines Flüssiggasprojekts Sachalin zwei gedroht. Möglicherweise könnte dem Unternehmen auch die Lizenz gänzlich entzogen werden, sagte Oleg Mitwol, der stellvertretende Vorsitzende der russischen Umweltbehörde am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Royal Dutch Shell habe zwar einen Plan vorgelegt, wie es bei dem 20-Milliarden-Dollar-Projekt entstandene Umweltschäden beseitigen will, dieser sei jedoch nicht ernst zu nehmen, sagte Mitwol. Dem Konzern wird unter anderem vorgeworfen, die Bucht nahe der Produktionsstätte zu verschmutzen. Zudem seien für den Bau einer rund 800 Kilometer langen Pipeline zu viele Bäume gefällt worden. „Wir sprechen mit Anwälten“, sagte Mitwol. Die Klage würde in Stockholm nach internationalem Recht eingereicht werden.

Shell wollte zu den Kommentaren Mitwols nicht Stellung nehmen. Das Sachalin-2-Projekt soll ab Mitte übernächsten Jahres Kunden in Asien und den Vereinigten Staaten beliefern. Durch Verzögerungen, so hatte Shell zuvor erklärt, könnte Russlands Ansehen Schaden nehmen und dem Land und dem Konzern Gewinne in Höhe von bis zu zehn Mrd. Dollar entgehen. Das Projekt hat seit vergangenem Jahr mit Problemen zu kämpfen, als die Kostenschätzung verdoppelt wurde. Das hatte auch beim russischen Gas-Monopolisten Gazprom für Unmut gesorgt, der ein Viertel des Projektes übernehmen will.

Russland übt seit einigen Monaten zunehmend Druck auf westliche Ölkonzerne aus, die in dem Land tätig sind, und beruft sich dabei auf den Umweltschutz. Analysten halten dies jedoch für einen Vorwand. Russland sei vielmehr an einem größeren Anteil am lukrativen Geschäft mit Öl und Gas interessiert.

Die Verträge für Sachalin zwei wurden Mitte der 90er Jahre unterzeichnet, als Russland zu Zeiten niedriger Ölpreise verzweifelt ausländische Investoren anlocken wollte. Jetzt versucht die Regierung jedoch, die ausländischen Beteiligungen in dem strategisch wichtigen Energie-Sektor zu begrenzen. Die Regierung hat auch Projekten mit Problemen gedroht, an denen BP und Exxon Mobil beteiligt sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%