Safilo-Übernahme
Niederländer retten Nobelbrillen

Safilo ist der Ferrari unter den Brillengestellen: Luxus-Designer wie Giorgio Armani, Gucci und Dior lassen in der italienischen Edelschmiede ihre Brillen fertigen. Doch in der Krise ist auch die Nobelmarke in finanzielle Schwierigkeiten geraten - und muss nun durch die niederländische Hal Holding gerettet werden.

MAILAND. Die niederländische Hal Holding wird die Mehrheit an dem angeschlagenen italienischen Brillenhersteller Safilo übernehmen. In mehreren Schritten werden die Niederländer, die Brillenketten weltweit besitzen, zum größten Aktionär mit einer Beteiligung zwischen 37 Prozent und knapp 50 Prozent aufsteigen. Der Anteil der Safilo-Gründerfamilie Tabacchi wird dagegen von knapp 40 Prozent auf zehn Prozent sinken. Mittelfristig ist eine Kapitalerhöhung am Markt über 250 Mio. Euro geplant. Insgesamt investieren die Niederländer 283 Mio. Euro.

Mit dem Abkommen mit der Hal Holding, die bereits zwei Prozent an Safilo hält, endet eine seit Anfang des Jahres andauernde Suche nach einem finanzstarken Retter. Die Börse hat den Einstieg der Niederländer mit einem Kurssprung von zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent honoriert. Die Aktie wurde vorübergehend vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt.

Safilo ist eines von mehreren italienischen Luxusunternehmen, die im Zuge der weltweiten Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Zuletzt hatten Investoren befürchtet, dass Safilo ein ähnliches Schicksal ereilen könnte, wie die IT Holding. Die hatte sich mit der Übernahme der Modemarke Gianfranco Ferré übernommen und arbeitet derzeit unter Gläubigerschutz.

Mit einem Umsatz von 1,2 Mrd. Euro ist das norditalienische Familienunternehmen Safilo nach dem heimischen Konkurrenten Luxottica zweitgrößter Brillenhersteller weltweit und Nummer eins bei Luxusbrillen ab 200 Dollar. Giorgio Armani, Gucci, Dior und Hugo Boss gehören zu den Designhäusern, die ihre Brillen in Lizenz von dem norditalienischen Unternehmen herstellen lassen.

Nach aggressiven Zukäufen in der Vergangenheit war der Schuldenberg von Safilo auf 592 Mio. Euro Ende Juni angestiegen. Ursprünglich war das Unternehmen davon ausgegangen, die Schulden mit den laufenden Gewinnen abzubauen. Doch dann kam die Finanzkrise, und die Strategie ging nicht mehr auf. Im vergangenen Jahr zahlte das norditalienische Unternehmen allein 49 Mio. Euro, um die Zinsen zu bedienen.

Zudem hat sich die Gründerfamilie im vergangenen Jahr, als die schwache Konjunktur bereits deutlich geworden war, eine großzügige Dividende ausgezahlt. Insgesamt zahlte Safilo mit 27 Mio. Euro die Hälfte des Nettogewinns aus, wovon fast 40 Prozent an die Tabacchis gingen.

Die Hal Holding will für 195 Mio. Euro Safilo-Anleihen übernehmen, die 2013 auslaufen. Später wollen die Holländer für 13 Mio. Euro zehn Prozent der Safilo-Aktien erwerben, und schließlich eine Kapitalerhöhung über 250 Mio. Euro platzieren, die außer Hal Holding die Banken Intesa Sanpaolo und Unicredit garantieren.

Im Zuge des Abkommens wird Hal Holding Läden von Safilo übernehmen. Insgesamt übernehmen die Niederländer Ketten in Australien, Mexiko und Spanien für 20 Mio. Euro. Hal Holding kann so die eigene weltweite Präsenz ergänzen. Schon heute gehört den Holländern etwa Pearle Europe (Apollo), das in 24 Ländern mit 2 587 Läden und einem Umsatz von 1,5 Mrd. Euro präsent ist, und Gran Vision mit 1 235 Läden in 18 Ländern und einem Umsatz von rund einer Mrd. Euro.

Safilo gab diese Woche auch seine Ergebnisse für das dritte Quartal bekannt: Der Umsatz sank um sieben Prozent, während der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) um 80 Prozent auf 3,5 Mio. Euro schrumpfte.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%