Salomon wird wieder verkauft
Adidas-Chef wirft Ballast über Bord

Vor acht Jahren hat Adidas für den Wintersportspezialisten Salomon rund 1,2 Milliarden Euro bezahlt. Nun wird die Sparte wieder abgestoßen - und zwar für weniger als die Hälfte des Betrages. Das klingt zunächst nicht nach einem gelungenen Geschäft. Experten sehen dies allerdings anders.

HB HERZOGENAURACH. Adidas-Chef Herbert Hainer: „Das ist ein guter Deal für uns“, bekräftigte er am Montag, als Europas größter Sportartikelkonzern überraschend den Verkauf seiner Wintersport- und Outdoor-Sparte Salomon bekanntgab. Die finnische Amer Sports Corp. (Helsinki) zahlt für das französische Unternehmen rund 485 Mill. €.

Trotz der gewaltigen Preisdifferenz könnte Hainer Recht behalten. Denn die 1997 erworbene Salomon-Gruppe hat den Herzogenaurachern nie viel Freude gemacht. Zwar stiegen sie durch den bisher größten Kauf der Firmengeschichte zur weltweiten Nummer zwei auf. „Wir haben vielleicht zu viel gezahlt“, sinnierte aber schon 1999 der damalige Vorstandschef Robert Louis-Dreyfus. Während die Marke Adidas satte Gewinne einfuhr, dümpelte Salomon vor sich hin und belastete das Ergebnis.

Schneearme Winter trugen nicht gerade dazu bei, dem wenig profitablen Hersteller von Skiern mehr Schwung zu geben. Auch die stärkere Ausrichtung auf Sommerartikel wie Inline Skates brachte keine Wende. Trotz eines Sanierungsprogramms verlor Salomon, zu dem auch die Marken Mavic, Bonfire, ArcTeryx und Cliché zählen, im ersten Quartal 2005 erneut neun Prozent Umsatz. Die französische Tochter hing wie ein Klotz am Bein der erfolgsverwöhnten und gewinnorientierten Franken. Selbst der Namenszusatz Salomon, den Adidas seit dem Kauf führen musste, gefiel nicht jedem.

Jetzt zog Firmenchef Hainer die Reißleine. „Es war klar, dass wir etwas ändern mussten“, sagte er am Montag. Die weltweite Nummer zwei, die künftig wieder nur Adidas AG heißen wird, wolle sich auf ihre Kernkompetenzen Sportschuhe und Bekleidung sowie auf das erfolgreiche Golfgeschäft konzentrieren. Die Börse reagierte erfreut, die Aktie machte zeitweise einen Sprung um mehr als acht Prozent auf 128,50 €.

Adidas dagegen fällt in der Konkurrenz zu Weltmarktführer Nike nun erst einmal zurück. Allerdings dürften die erwarteten Wachstumsraten den Umsatz rasch wieder mindestens auf das Niveau von 2004 (6,5 Mrd. €) heben, zumal die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 einen zusätzlichen Schub geben soll. Das Unternehmen, das bereits mit glänzenden Quartalszahlen in das Jahr gestartet ist, wird außerdem deutlich profitabler werden. Was mit den Einnahmen aus dem Salomon- Verkauf geplant ist, ließ Vorstandschef Hainer offen. Im Vordergrund stünden nicht Akquisitionen, sondern das Aktienrückkauf-Programm. Freilich schaue man sich immer auf dem Markt um, sagte er: „Wir werden sehen.“

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