Same Deutz-Fahr wird wichtigster Anteilseigner beim Kölner Motorenbauer
Deutz bekommt neuen Großaktionär

Der italienische Landmaschinenhersteller Same Deutz-Fahr (SDF) wird größter Aktionär des Kölner Motorenbauers Deutz AG. Nach Abschluss der Kapitalerhöhung ist die italienische Gruppe mit einem Anteil von 14,5 % am Grundkapital von Deutz beteiligt, teilt Deutz mit.

gil/mab DÜSSELDORF/MAILAND. Die bisherigen Großaktionäre haben sich an der Kapitalerhöhung nicht beteiligt. Dadurch sinkt der Anteil der Deutschen Bank von 25,9 auf 18,3 %, der Anteil von Volvo geht von 10,1 auf 7,1 % zurück.

Same Deutz-Fahr wird den Anteil sogar noch weiter aufstocken. Unternehmenskreise bestätigten dem Handelsblatt, dass der italienische Traktorproduzent mit dem bisherigen Großaktionär Deutsche Bank eine Kaufoption für weitere 8,3 % des Deutz-Kapitals vereinbart hat und darüber hinaus von dem Institut Wandelgenussrechte aus einer alten Platzierung erworben hat, die in etwa 10 % des Kapitals entsprechen. Insgesamt habe SDF somit das Potenzial, bis zu 32 % von Deutz zu kontrollieren. Allerdings werden die Italiener nicht über 30 % gehen, da dann ein Übernahmeangebot an alle Aktionäre fällig würde. Insgesamt gibt SDF für das Engagement bei Deutz rund 100 Mill. Euro aus. Angesichts flüssiger Mittel von 60 Mill. Euro und einer Verschuldung von Null dürfte die Investition dem Familienunternehmen keine Schwierigkeiten bereiten.

Mit einem Umsatz von knapp 820 Mill. Euro ist Same Deutz-Fahr weltweit drittgrößter Traktorhersteller mit den Marken Same, Deutz-Fahr, Hürlimann und Lamborghini. Größer sind nur noch die zu Fiat gehörende Case/New Holland und John Deere aus den USA.

Die Beteiligung an Deutz hat für Same Deutz-Fahr vor allem eine strategische Bedeutung. Denn durch die Operation gehört SDF nun zu dem kleinen Klub jener Landmaschinenhersteller, die einen direkten Zugriff auf einen Motorenbauer haben. Mittelfristig will Same nicht nur jene Antriebe aus Köln beziehen, die schon bislang in die Traktoren der Marke Deutz-Fahr eingebaut werden, sondern auch alle anderen Landmaschinen des Konzerns mit Deutz-Motoren ausstatten. Die eigene Fertigung mit derzeit rund 20 000 Motoren wollen die Italiener deshalb in absehbarer Zeit schließen.

Ein Randaspekt hat für den Erwerb der strategischen Minderheitsbeteiligung eine wichtige Rolle gespielt: SDF muss aus markenrechtlichen Gründen in seine Deutz-Fahr-Traktoren auch Motoren von Deutz einbauen. Hätte ein Konkurrent die Kontrolle über das Kölner Unternehmen erworben, hätte er es SDF durch härtere Lieferbedingungen oder hohe Preise schwer machen können, die Marke weiter zu nutzen.

Deutz-Chef Gordon Riske kündigte als Folge der höheren Motoren-Lieferungen an die Italiener einen Ausbau der Produktion im Werk Köln-Porz an. „Dies könnte 100 bis 200 neue Arbeitsplätze bringen“, sagte er auf Anfrage. Deutz käme seinem Produktionsziel von jährlich 150 000 Motoren näher.

Riske beabsichtigt zudem, weitere Kunden über eine Beteiligung an das Unternehmen zu binden, wie es bisher schon mit Volvo der Fall ist. „Drei Abnehmer als Aktionäre wären eine gute Sache“, sagte er. Mögliche Kandidaten sieht er in den Branchen Baumaschinen und Energie sowie in den USA.

Deutz fließen durch die Kapitalerhöhung 68,7 Mill. Euro zu. Das Grundkapital erhöht sich um 42 % auf 233 Mill. Euro. Die Eigenkapitalquote liegt jetzt bei rund 16 %. Eine normale Quote sieht Riske bei rund 25 %. Deshalb überlegt er bereits, ob weitere Kapitalerhöhungen möglich sind. Die fast vollständige Beteiligung der freien Aktionäre an der Kapitalerhöhung zeige, dass Deutz für Anleger wieder interessant geworden sei.

Dies bestätigt auch Analyst Dirk Lohmann von HSBC Trinkaus & Burkhardt, der zudem ein wachsendes Interesse institutioneller Anleger an der Aktie festgestellt hat. Der Kurs der Aktie notierte gestern mit 3,40 Euro leicht höher. Im März notierte die Deutz-Aktie noch mit 1,35 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%