Samsung
Bestechung mit System

Samsung ist der größte Steuerzahler, der größte Exporteur und der größte Arbeitgeber in Südkorea. Zwischen diese Superlative fällt nun ein neues Wort: Korruption. Samsung-Manager sollen Beamte bestochen haben. Doch noch zögert die Staatsanwaltschaft damit, Untersuchungen einzuleiten.

TOKIO. Der Zentrale des südkoreanischen Industriekonglomerats Samsung droht eine Durchsuchung durch die Staatsanwaltschaft. Manager sollen Beamte bestochen haben. Die Staatsanwälte zögern noch. Denn den Vorwürfen zufolge sollen sich unter den Empfängern des Geldes auch Staatsanwälte der Stadt Seoul befunden haben. Mitte der Woche reichte die „Solidargemeinschaft für Aktive Demokratie“ eine Beschwerde gegen die Untätigkeit der Staatsanwaltschaft ein, behielt die Namen der angeblich bestochenen Anwälte jedoch für sich. Die Staatsanwaltschaft will strenge Untersuchung einleiten, nicht aber bevor die Namen der angeblich bestechlichen Staatsanwälte genannt sind.

Hinter den Bestechungen soll einer der mächtigsten Männer der südkoreanischen Wirtschaftswelt stehen. Lee Kun-Hee – einer der drei Söhne des Samsung-Gründers – ist der Präsident der verzweigten Industriegruppe mit einer langen Liste von nationalen Rekorden: Größter Steuerzahler, größter Exporteur, größter Arbeitgeber. Lee soll das Geld aus seinen schwarzen Kassen vor allem genutzt haben, um seinem Sohn die Nachfolge als Konzernchef zu sichern.

Samsung wäre nur einer der gigantischen südkoreanischen Mischkonzerne, die der Korruption überführt werden. Der Gründer von Daewoo ist bereits zu einer Milliardenstrafe verurteilt, dem Chef von Hyundai Motors haben die Richter in der ersten Instanz zu eine Gefängnisstrafe aufgebrummt. Die Geschichten ähneln sich: Die Gründerfamilie hält ein inzwischen öffentlich gehandeltes Unternehmen für ihr Eigentum, springt entsprechend mit den Besitzverhältnissen um, besticht dafür Beamte ohne sich allzu viel dabei zu denken und wird von dem neuen Streben der Regierung nach Transparenz und Investitionssicherheit völlig überrascht. Der Weg der koreanischen Wirtschaft in die globalisierte Welt ist noch weit.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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