Samsung
Die Götterdämmerung

Der einflussreichste Manger Südkoreas, Samsung-Chef Lee Kun-Hee, ist über eine Anklage wegen Steuerhinterziehung gestürzt. Sein Abgang macht den Weg frei für den größten Umbau, den das gewaltige Industrie-Konglomerats jemals erlebt hat.

TOKIO. Drei Monate sind vergangen, und das Bild ist ein völlig anderes: Ende Januar noch beklagte sich die Staatsanwaltschaft von Südkoreas Hauptstadt Seoul hilflos über die Arroganz der Samsung-Führung. Vorgeladene Manager schwänzten ständig ihre Verhöre. "Wir hören ständig Ausreden. Von sechs einbestellten Vorstandsmitgliedern kam nur einer. Drei ließen mitteilen, sie hätten plötzlich Magenbeschwerden, zwei sagten wegen wichtiger Geschäftstermine ab", schimpfte ein Staatsanwalt vor versammelter Presse. Dann, am Dienstag, von Arroganz keine Spur mehr: Der mächtigste Geschäftsmann Südkoreas, Samsung-Chef Lee Kun-Hee, tritt vor die Kameras und gibt zu, Steuern hinterzogen zu haben. Als Geste der Entschuldigung verbeugte sich der 66-Jährige vor der Nation.

Mehr noch: Das einst allmächtige Industriekonglomerat, das mit seinen 60 Tochterfirmen in einer kaum überschaubaren Produktpalette aktiv ist, zog weitreichende Lehren aus dem Skandal. Es schafft das Zentrale Planungsbüro in der Mitte des Beteiligungsnetzes ab und kündigte an, die gegenseitigen Verflechtungen zurückzufahren. Ein Konzern wird demütig, Korea wird ein Stück transparenter.

Nachdem die Staatsanwaltschaft vergangene Woche ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung gegen ihn angekündigt hatte, trat Lee am DIenstag als Präsident der Samsung-Gruppe zurück. "Liebe Samsung-Familie, ich habe vor zwanzig Jahren versprochen, Samsung zu einem Weltklasseunternehmen zu machen, und es tut mir wirklich leid, dass ich das Versprechen nicht gehalten habe", sagte Lee.

Der Schritt kam überraschend, denn die Anklage klang eigentlich butterweich - die Ermittler hatten den schwerer wiegenden Vorwurf der Bestechung fallengelassen, obwohl sie einen Zeugen hatten. Samsung und die verzweigte Familie Lee hatten in der Vergangenheit schon viel schlimmere Anschuldigungen ausgesessen. Diesmal war es ein eigener Mitarbeiter gewesen, der Lee in Bedrängnis gebracht hatte. Anfang des Jahres hatte eine ausgeschiedene Führungskraft aus der Rechtsabteilung von Schwarzen Kassen berichtet, üppig gefüllt, um Beamte und Politiker zu schmieren. Hinzu kam der Vorwurf, dass Lee persönliche Gewinne vor dem Fiskus versteckt haben soll. Ihm drohen bei einer Verurteilung fünf Jahre Haft. Die Nachfolgeregelung für den Konzernvorsitzenden blieb zunächst offen.

Lee, der knapp 20 Jahre an der Spitze des größten koreanischen Konzerns gestanden hat, stammt aus einer berühmten Familiendynastie. Die Familie besitzt ein Vermögen von umgerechnet zwei Milliarden Euro. Lee ist der Sohn des Samsung-Gründers, einer Figur, die in Korea den Respekt eines Gottes genossen hat. Nicht ganz zu Unrecht: Nach dem Ende des Koreakriegs 1953 lag Korea in Trümmern.

Der guten Partnerschaft einiger weniger Unternehmer mit der Regierung war der nun folgende steile Aufstieg zur Industriemacht zu verdanken. Allen voran Samsung. Die Gruppe macht heute fast 160 Mrd. Dollar (100 Mrd. Euro) Umsatz im Jahr und zahlt ein Fünftel aller Steuern Koreas. Insgesamt beschäftigt der Konzern 250 000 Mitarbeiter.

Das immense Wachstum ist auch das Werk des jüngeren Lee. Er setzte in den 90er-Jahren konsequent auf Qualität, Spitzentechnik und Design - wegen dieser Eigenschaften kaufen auch die Deutschen so gern Handys und Flachbildfernseher von den Koreanern. Der Erfolg gab dem Erbprinzen recht. Korea hofierte nun auch ihn.

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