Samsung
Firmenchefs konnten walten, wie sie wollten

Der Rücktritt von Samsung-Chef Lee Kun-Hee ist das neueste Kapitel in einer langen Geschichte: Sie trägt den Titel "Südkorea baut seine Wirtschaft um". Zwar ist das Verhältnis zwischen den Großunternehmen und der Politik unter dem neuen Präsidenten Lee Myung-Bak herzlicher als je zuvor. Doch nicht zuletzt auf Druck der internationalen Investoren verlieren die Könige der Großkonzerne Stück für Stück ihre Macht.

TOKIO. Noch nicht richtig im Amt, traf sich Präsident Lee Anfang dieses Jahres mit den Führern der größten Unternehmen, darunter der jetzt gestürzte Samsung-Chef Lee und der wegen Veruntreuung zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Hyundai-Patriarch Chung Mong-Koo. Wer kommen konnte, kam. Kein Wunder, denn Präsident Lee ist als Ex-Chef der Bausparte von Hyundai praktisch einer von ihnen. Das Gesprächsthema: Wie kann die Politik noch wirtschaftsfreundlicher werden? Um einen Beweis seines Engagements zu liefern, bot Lee den Wirtschaftsführern an, 24 Stunden am Tag per Handy für erreichbar zu sein.

In solchen Gesten zeigt sich noch heute der Geist, mit dem Korea in Rekordzeit zur Industriemacht aufsteigen konnte. Vor 20 Jahren war es General Roh Tae-Woo, der die Politik der unbegrenzten Wirtschaftsfreundlichkeit anfing - damals freilich noch unter wenig demokratischen Vorzeichen. Der Vorrang fürs Wachstum ließ die Konzerne schnell expandieren. Deren Gründer herrschten wie Könige - es konnte ihnen kaum einer hineinreden. Kein Vergleich mit den Bedingungen etwa in Deutschland mit seinen Gewerkschaften, Arbeitsgesetzen, Umweltauflagen, Regulierungen und Sozialabgaben.

Ende der 80er-Jahre jedoch wurden die Nachteile des koreanischen Systems sichtbar. Selbst die Koreaner wurden unzufrieden, so stolz sie auch auf ihre international konkurrenzfähigen Großunternehmen waren. Die Löhne stiegen nicht mit den Firmengewinnen, die Umwelt litt sichtbar unter der Ausweitung der Produktion, und manchmal stellten sich die Sprösslinge der Gründerfamilien als unfähig heraus.

Die exzessive Begünstigung der Großunternehmen verdrängte außerdem zunehmend den Mittelstand. Heute haben Mittelständler in Korea ein so schlechtes Image, dass die wenigsten Unternehmer dazugehören wollen. Letztlich führte die Unzufriedenheit des Volkes dazu, dass die Militärherrschaft 1988 endete.

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