Sanierung des Konzerns
Wiedeking als VW-Aufsichtsratschef im Gespräch

In die Sanierungsverhandlungen bei Volkswagen kommt Bewegung: Der VW-Betriebsrat hat erstmals Kompromissbereitschaft bei einer möglichen Verlängerung der Arbeitszeit signalisiert. Auch wer als Nachfolger von Ferdinand Piëch als Aufsichtsratschef künftig die Hand auf die Geschicke des Konzerns halten wird, könnte schneller geklärt sein als gedacht.

HB WOLFSBURG. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist als Nachfolger von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch im Gespräch. Wie die Wirtschaftswoche aus Unternehmenskreisen bei Volkswagen erfuhr, wird Wiedeking von Arbeitsnehmervertretern als Nachfolger von Piëch gehandelt, der ab dem kommenden Jahr als einfaches Aufsichtsratsmitglied tätig sein will.

Bisher gelten der Osnabrücker Stahlunternehmer Jürgen Großmann, Chef der Georgsmarienhütte, und Eon-Vorstand Hans Michael Gaul als aussichtsreichste Kandidaten für den AR-Chefposten in der Piëch-Nachfolge. Porsche hält derzeit knapp 20 Prozent am VW-Kapital und will seinen Einfluss auf den viertgrößten Autohersteller der Welt ausbauen. Wie das Magazin erfuhr, soll Wiedeking Ambitionen haben, neben der Führung von Porsche auch die Leitung des Kontrollgremiums in Wolfsburg zu übernehmen.

In der Debatte um eine mögliche Verlängerung der Arbeitszeit bei VW schrieb Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh in einem Brief an die VW-Mitarbeiter: „Wenn es zum Beispiel um eine Verlängerung der Arbeitszeit gehen sollte, dann wird sich keiner im Interesse der gemeinsamen Zukunftssicherung verschließen.“ Zugleich schränkte Osterloh aber ein: „Aber nicht ohne Gegenleistung und schon gar nicht, wenn andere dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren.“ Osterloh forderte erneut eine “Standort- und Beschäftigungssicherung“.

Über Pläne des Managements, bei VW die Arbeitszeit zu verlängern, gibt es seit längerem Spekulationen. Bisher gilt bei VW in den westdeutschen Werken überwiegend die 28,8-Stunden-Woche. Medienberichten zufolge plant VW-Markenchef Wolfgang Bernhard eine 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Dies haben Betriebsrat und IG Metall bisher vehement abgelehnt. Auf der zweitägigen Klausurtagung des VW-Aufsichtsrats am Mittwoch und Donnerstag wurde laut VW-Führung nicht über eine Einführung der 35-Stunden-Woche gesprochen.

Der Aufsichtsrat hatte das Sanierungskonzept des Vorstands „zustimmend zur Kenntnis“ genommen. Es sei notwendig, die Lage der Marke VW – die 2005 nur knapp an den roten Zahlen vorbeigeschrammt war – zu verbessern. Der Aufsichtsrat beauftragte den Vorstand, Verhandlungen über die Umsetzung mit dem Betriebsrat und gegebenenfalls der IG Metall zu führen.

Osterloh sagte, für den Betriebsrat seien die Ziele, die der Vorstand dem Aufsichtsrat für den Konzern und die Marke Volkswagen vorgestellt habe, nämlich eine Verbesserung von Qualität, Kosten und Vertriebsleistung, „absolut unstrittig“. Der Betriebsrat sehe „erheblichen Handlungsbedarf“, damit der Konzern nachhaltig wettbewerbsfähig werde. Über detaillierte Maßnahmen sei im Aufsichtsrat aber nicht gesprochen worden.

Bereits im Februar hatte VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder ein tief greifendes Restrukturierungsprogramm für die Marke VW angekündigt, die vergleichsweise teuer produziert wird und Überkapazitäten hat. Von dem Programm könnten rund 20 000 Beschäftigte betroffen sein, hieß es.

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