Industrie

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Sanierung in Sicht: Solarworld muss die letzten Gläubiger überzeugen

Im Kampf um die Sanierung seines Unternehmens will Solarworld-Chef Asbeck nun auch die letzten Schuldscheingläubiger hinter sich bringen. Außerdem hofft der Solarhersteller auf Rückendeckung durch die Politik.

Der Vorstandsvorsitzende der Solarworld AG, Frank Asbeck. Quelle: dpa
Der Vorstandsvorsitzende der Solarworld AG, Frank Asbeck. Quelle: dpa

DüsseldorfDer Solarkonzern Solarworld drückt bei seiner Sanierung aufs Tempo. Nach der Einigung mit den meisten Schuldschein-Gläubigern will Vorstandschef Frank Asbeck noch in diesem Monat auch die Anleihegläubiger ins Boot holen. Am 22. und am 23. Mai will er ihnen auf zwei Gläubigerversammlungen den Sanierungsplan vorstellen, wie Solarworld am Dienstag ankündigte. Dort sollen die Gläubiger, denen das angeschlagene Unternehmen 550 Millionen Euro schuldet, auch einen gemeinsamen Vertreter wählen, der den Sanierungsprozess begleiten soll. Eine Abstimmung ist noch nicht geplant. Nach dem Schuldverschreibungsgesetz müssen 75 Prozent der Anleihezeichner den Plänen zustimmen. Die Papiere sind breit am Markt gestreut.

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Asbeck kommt damit Anlegerschützern entgegen. "Es kann nicht sein, dass Solarworld mit den Banken und anderen Gläubigern ein Sanierungskonzept fertigt, ohne dass dabei die Interessen der Anleihegläubiger berücksichtigt werden", erklärte die SdK.

Mit den Schuldscheingläubigern hatte sich Vorstandschef und Großaktionär Asbeck Ende April nach monatelangem Tauziehen über einen Weg aus der Krise geeinigt. Deutlich mehr als 80 Prozent von ihnen seien inzwischen bereit mitzuziehen, hieß es im Umfeld des Unternehmens. Doch Asbeck muss sie zu 100 Prozent hinter sich bringen. Sein Plan sieht einen Schuldenschnitt vor, mit dem der Konzern seine langfristigen Verbindlichkeiten auf rund 300 Millionen Euro reduzieren könnte. SdK-Sprecher Daniel Bauer stellte sich hinter die Pläne: "Es ist das einzig Richtige, das Unternehmen weitgehend schuldenfrei zu stellen und darauf zu hoffen, dass Solarworld zu den Überlebenden gehört", sagte er.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

  • 13. Dezember 2011

    Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

  • 21. Dezember 2011

    Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

  • 3. April 2012

    Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

  • 17. April 2012

    Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

  • 25. Juni 2012

    Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

  • 10. Juli 2012

    Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

  • 21. August 2012

    Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

  • 6. September 2012

    Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

  • 18. Oktober 2012

    Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

  • 23. Januar 2013

    Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

  • 24. Januar 2013

    Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

  • 5.Juli 2013

    Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Dem Plan zufolge sollen die Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Ansprüche verzichten und dafür Solarworld-Aktien bekommen. Den bisherigen Aktionären blieben dann nur fünf Prozent des Kapitals, der Rest soll an die Gläubiger gehen. Dem Plan muss auch die Hauptversammlung zustimmen.

Im Zuge einer Kapitalerhöhung will Asbeck auch einen neuen Investor aus Katar an Bord holen. Dabei handelt es sich um den langjährigen Solarworld-Partner Qatar Solar Technologies, der rund 20 Prozent an dem finanziell sanierten Unternehmen halten soll, wie zwei Insider sagten. Finanzkreisen zufolge will auch Asbeck noch einmal Geld nachschießen, nachdem seine Beteiligung durch den Kapitalschnitt auf 1,4 Prozent zusammenschmilzt. Auch er könnte damit bei rund 20 Prozent landen. Die Mehrheit an Solarworld läge damit wohl bei Banken und Hedgefonds, die sich mit Kursabschlägen von bis zu 80 Prozent in die Schuldscheine eingekauft hatten. Größter Inhaber der Papiere sei der auf Problemkredite spezialisierte Fonds Strategic Value Partners (SVP).

Einen Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Billigimporte aus China dürfte Solarworld die Europäische Union geben. Insider-Informationen zufolge sollen ab Anfang Juni Strafzölle auf Solarmodule aus dem Reich der Mitte erhoben werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters erfahren hatte. Die Zölle, die den europäischen Herstellern gegen Dumpingpreise helfen würden, könnten bei 30 Prozent liegen. "Wenn die Schutzzölle kommen, sieht die Welt für Solarworld ganz anders aus", sagte ein Solarworld-Berater. Aktionärsschützer Marc Tüngler von der DSW glaubt daran nicht. "Dieser Plan entbehrt jeder strategischen Grundlage. Das ganze Geschäftsmodell gehört auf den Prüfstand, da es augenscheinlich nicht funktioniert."

  • 08.05.2013, 10:27 UhrHofmannM

    Und es wird weiter Insolvenzverschleppung im Hause "Solarworld" betrieben!
    Die ganze "Erneuerbare Energiebranche" ist von Anfang an eine Geburt der staatlichen ökosozialistischen Planwirtschaft auf Basis des EEG (Erneuerbaren Energie Gesetz) gewesen! Für die Erneuerbaren Energien war NIE eine sich selbsttragende Wirtschaftsbasis am Markt vorgesehen und wird dies auch nicht für die Zukunft sein. Einzig und alleine der deutsche Staat mit dem Zwangs-EEG sorgt dafür, dass wir deutsche Endverbraucher (Bürger) durch steigende EEG-Zwangsabgaben über unsere Stromrechnung diesen ganzen Erneuerbaren Energieabzocker Zirkus am Markt/Leben halten! Schöne neue grünsozialistische Plandiktatur auf Kosten des Bürger!!!

  • 07.05.2013, 22:34 Uhrfritz

    Ich war schon immer der Ansicht dass es einige findigen Leute immer wieder schaffen mit Subventionen und Kapitalgebern ihren eigenen Lebensstil zu ermöglichen, obwohl die Firmenkonzepte von Anfang an nicht überlebensfähig sind.

    Er will natürlich weitermachen, denn dann bekommt er ja sein üppiges Jahresgehalt auch weiterhin.

    Aus dem Wiki:
    "Ende 2008 erwarb er Schloss Calmuth bei Remagen und damit das Gelände der ehemaligen Internationalen Film-Union GmbH, um sich dort seinem Jagdhobby widmen zu können.[3] Ende 2012 erwarb er vom Entertainer Thomas Gottschalk für über 5 Millionen Euro das Schloss Marienfels, auch um sein Jagdrevier auszuweiten."

  • 07.05.2013, 22:25 Uhrpappalapapp

    Schlimmer als die Griechen! Alle beteiligten Anleger anbohren oder sogar enteignen. Zuerst sollte Asbeck selbst komplett enteignet werden, bevor er weitere Stellen anzapft. Er ist der Schuldige, niemand sonst. Erst will er in einem Anfallwahn Opel kaufen und 2 Jahre später legt er eine Pleite hin. Rechnen kann er nicht, den Markt schätzt er absolut falsch ein, erkennt keine Konkurrenz und steuert Problemen nicht gegen. Er kann sich mit den "Machern" von Teldafax und Flexstrom absolut die Hand reichen!
    Einfach nur grässlich!

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