Sanierung läuft weiter
Rekordabsatz schützt VW-Werker nicht vor Jobverlust

In den ersten vier Monaten des Jahres hat der Volkswagen-Konzern mehr Wagen seiner Hauptmarke VW verkauft als jemals zuvor. Trotzdem weicht das Management nicht von seinem Sanierungskurs ab. Erste Beschäftigte sind bereits ohne Arbeit.

HB ATHEN. Bis Ende April wurden weltweit 1,077 Mill. Autos ausgeliefert, wie Markenchef Wolfgang Bernhard am Montagabend in der griechischen Hauptstadt Athen mitteilte. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres waren das 14,5 Prozent mehr, wie es hieß. „Wir haben einen Blitzstart hinbekommen, die Produkte waren voll verfügbar“, sagte Bernhard. In Westeuropa lag laut VW der Marktanteil bei über 11 Prozent nach 9,6 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Bernhard machte klar, dass die aktuellen Erfolge beim weltweiten Verkauf nicht die Probleme der westdeutschen VW-Werke lösen könnten. Die deutschen Traditionswerke seien nicht ausgelastet und arbeiteten zu teuer. Er schloss die Schließung unrentabler Teilbereiche abermals nicht aus. „Wir brauchen grundlegende Veränderungen. In der jetzigen Form sind wir nicht Zukunftsfähig“, betonte der Manager. VW stellt im Zuge der Neuordnung seiner teilweise unrentablen und schwach ausgelasteten westdeutschen Montage- und Komponentenwerke bis zu 20 000 Arbeitsplätze in Frage. Das ist ein Fünftel der Belegschaft.

Bernahrd betonte allerdings, ihm liege nichts an einer Konfrontation mit den Arbeitnehmern. Die Einsicht der Belegschaft in die Notwendigkeit der Sanierung sei wichtig. Dabei komme es auf eine Woche mehr oder weniger Verhandlungen mit dem Betriebsrat nicht an. Bis zum Jahresende müsse aber eine Einigung erreicht sein. Einzelheiten über den Gesprächsstand zwischen Vorstand und Betriebsrat nannte er nicht.

Laut Bernhard bleibt die Zuständigkeit für die Komponentenwerke bei ihm selbst: „Die Komponentenwerke bleiben bei der Stammmarke VW.“ Nach einer VW-Aufsichtsratssitzung vergangene Woche hatte es so ausgesehen, als ob Bernhard bei der Sanierung der Komponentenwerke entmachtet worden sei. Bernhard wies diesen Eindruck zurück.

Die von Bernhard vorangetriebene Neuordnung kostet manche Beschäftigte bereits den Job. So fallen durch das Auslaufen der Produktion des aktuellen Golf Variant im Stammwerk in Wolfsburg demnächst 1 200 Stellen weg. „Im Moment gibt es für diese Leute keine Arbeit“, sagte Bernhard. Der Nachfolger des Golf-Kombi soll im Werk Puebla in Mexiko gebaut werden.

Auch die spanischen Mitarbeiter müssen bangen. Wegen des Arbeitskampfes im Werk Pamplona droht VW mit der Verlagerung von Produktionskapazität für den Kleinwagen Polo nach Brüssel. Eine Entscheidung darüber solle in den nächsten Tage getroffen werden, kündigte Bernhard an. Damit würde die Situation des Werks in der spanischen Region Navarra „immer schwieriger“, fügte er hinzu. Eine Schließung stehe im Moment aber nicht zur Debatte. Volkswagen hatte unlängst bereits mit der Verlagerung von Produktionskapazitäten in die Slowakei gedroht, um die Gewerkschaften in Pamplona zum Einlenken im laufenden Arbeitskampf zu bewegen.

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