Sanierung mit angezogenen Zügeln
Amerikaner zögern beim Autokauf

Die Krise am Hypothekenmarkt belastet laut US-Automanagern inzwischen auch die Nachfrage nach Neuwagen in den USA. Dabei steuert der US-Automarkt ohne diese Belastung schon auf sein schlechtestes Verkaufsjahr seit 1998 zu. Der angeschlagene Autokonzern Chrysler stellt sich bereits auf eine Verschärfung seines laufenden Sanierungsprogramms ein.

ebe/hz/fmk NEW YORK/FRANKFURT/TOKIO. Der angeschlagene Autokonzern Chrysler stellt sich auf eine Verschärfung seines laufenden Sanierungsprogramms ein. „Wenn die Wirtschaft und andere Faktoren uns zwingen (das Restrukturierungsprogramm) zu überarbeiten, dann werden wir das machen“, sagte Chrysler-Präsident, Tom LaSorda. Die Krise am Hypothekenmarkt belastet laut US-Automanagern inzwischen auch die Nachfrage nach Neuwagen in den USA. Der laufende Chrysler-Restrukturierungsplan sieht bislang den Abbau von rund 13 000 Stellen und die Schließung mehrerer Werke in den Vereinigten Staaten vor.

Das neue Management beim kriselnden Autobauer zieht damit die Zügel weiter an. Seitdem die Beteiligungsgesellschaft Cerberus Chrysler im August vom deutschen Autokonzern Daimler übernommen hat, weht ein schärferer Wind in der Firmenzentrale in Auburn Hills. Der neue Chrysler-Boss Robert Nardelli, der LaSorda überraschend direkt nach der Machtübernahme durch Cerberus an der Spitze des Autobauers ersetzte, wird sich nach Ansicht von Branchenkennern nicht damit begnügen, das noch von Daimler aufgelegte Restrukturierungsprogramm auszuführen. Cerberus hatte bei Ankündigung der Übernahme Anfang Mai bereits eine Auslagerung von Teilen der Produktion als denkbar bezeichnet, um die Kosten zu senken. Rückenwind vom US-Markt wird Chrysler vorerst nicht erhalten. Um zwölf Prozent auf 1,49 Millionen Fahrzeuge war der größte Automarkt der Welt im Monat Juli geschrumpft.

Der US-Automarkt steuert derzeit auf sein schlechtestes Verkaufsjahr seit 1998 zu, und die Krise am Hypothekenmarkt belastet die Branche zusätzlich. GM-Vizechef Bob Lutz befürchtet bereits größere Auswirkungen auf das Geschäft durch die Hypothekenkrise. Die Marktforscher von Autodata gehen davon aus, dass 2007 nur noch 16,2 Mill. Fahrzeuge verkauft werden, 350 000 weniger als im Vorjahr. Nach Ansicht des deutschen Autoexperten Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft könnte der Markt sogar viel deutlicher auf 15,7 Mill. Autos einbrechen. Da mehr als 80 Prozent der US-Autokäufe kreditfinanziert seien, würde sich eine verschärfte Kreditvergabe an private Kunden oder höhere Zinsen dämpfend auf die Kauflust auswirken, warnte Diez.

GM und Ford haben Anfang August ihre Verkaufsprognosen schon nach unten angepasst. Die Industrie liege „deutlich unter dem normalen Level“, betonte Paul Ballew, Chefanalyst von GM. Angesichts der fallenden Verkaufszahlen hat GM in sechs Werken Extraschichten für die Fertigung großer Pick-ups und Sport Utility Vehicles (SUV) zurückgefahren. Ein GM-Sprecher teilte mit, die Produktionskürzungen blieben bis zum Jahresende in Kraft. Für verschiedene so genannte Light Trucks hat GM nach eigenen Angaben bereits für rund 120 Tage auf Halde produziert. Der Lagerbestand sei wesentlich als noch vor einem Jahr.

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