Sanierung
Opel-Belegschaft stärkt Management den Rücken

Kuschelkurs statt Konflikt: Die Mitarbeiter stellen sich hinter den Plan von Opel-Chef Nick Reilly, schneller als geplant aus der Krise zu kommen. Die offen ausgestellte Gelassenheit hat einen einfachen Grund: Am Mittwoch wurde der Vertrag über die Beteiligung der Belegschaft an der Sanierung unterzeichnet.
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FRANKFURT. Die einflussreiche IG Metall nimmt die Ankündigung von Opel-Chef Nick Reilly, schneller als geplant wieder die Gewinnzone erreichen zu wollen, ganz pragmatisch. "Je eher er das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen führt, desto besser für die Mitarbeiter", sagte Opel-Aufsichtsrätin Sabine Maaßen von der IG Metall. "Der IG Metall kann es also nur Recht sein, wenn Reilly besser sein will als sein Sanierungsplan." Auch IG-Metall-Bezirkschef und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild glaubt: "Die strategische Richtung stimmt."

Die Arbeitnehmervertreter von Opel stellen sich damit demonstrativ hinter ihren Chef. Die offen ausgestellte Gelassenheit hat einen einfachen Grund: Nach fast zweijährigem Hickhack um Opels Zukunft haben Arbeitnehmer und Management gestern die letzten Unterschriften unter das milliardenschwere Paket über die Beteiligung der Belegschaft an der Sanierung gesetzt.

Mit dem Vertrag bauen die Opelaner ihre Stellung im Unternehmen deutlich aus. "Im Gegenzug für den Belegschaftsbeitrag sind unter anderem vier neue Modelle und ein neuer Motor sowie eine Gewinnbeteiligung ab 2014 für die Mitarbeiter vorgesehen", erklärte Maaßen. Das Geld der Opelaner fließt dabei nicht direkt an das Unternehmen, sondern auf ein Treuhandkonto. Erst wenn Opel seine Zusagen für neue Produkte und die Arbeitsplätze einhält, wird auch das angesparte Geld freigegeben. "Wir haben also ein starkes Faustpfand in der Hand", betonte Maaßen. Auch Opel-Konzernbetriebsratschef Klaus Franz bleibt deshalb ruhig."Der Druck auf Opel, erfolgreich zu sein, wird mit dem Börsengang noch größer werden", sagte er. Er gehe aber davon aus, dass sich an den Sanierungsplänen für Opel nichts ändern werde.

Reilly hatte gestern im Handelsblatt angekündigt, dass er den Ehrgeiz habe, "besser zu sein, als der Plan es vorsieht". Bisher peilt der Restrukturierungsplan erst ab 2012 wieder Gewinne an. Doch der Opel-Boss weiß, dass der neue GM-Chef Dan Akerson, der gestern den Posten übernahm, so rasch wie möglich erste Erfolge sehen will. Autoexperte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive, gibt Reillys Vorhaben durchaus eine Chance. "Es ist ambitioniert, aber nicht unmöglich. Es hängt davon ab, wie die Märkte in Westeuropa sich erholen werden."

Experten erwarten, dass GM der deutschen Tochter genau auf die Finger schauen wird. Sollten 2011 keine Fortschritte erzielt werden, halten sie es für möglich, dass Stellenabbau und Werksschließung wieder zum Thema werden. Doch Reilly versichert, dass es für die Arbeitnehmer über den bisherigen Sanierungsplan hinaus keine neuen negativen Überraschungen geben werde. Es bleibe beim geplanten Stellenabbau von rund 8.000 Mitarbeitern in Europa.

Der Bochumer Opel-Betriebsrat Rainer Einenkel beklagt dennoch eine zunehmend ruppigere Vorgehensweise des Unternehmens. Um den geplanten Stellenabbau in Bochum durchzusetzen, werde schon mit "betriebsbedingten Kündigungen" in dem Werk gedroht, sagte er.

Aufhorchen werden auch die Opel-Konkurrenten bei Reillys Plänen. Dass der bereits totgesagte Konkurrent nun seinen Marktanteil wieder steigen will, verschärft den Wettbewerbsdruck. Autoexperte Bratzel ist indes skeptisch, dass Opel schon bei der Konkurrenz räubern kann. "Dafür ist das Produktportfolio von Opel im Vergleich zu den Wettbewerbern noch nicht stark genug", glaubt er.

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