Sanierungsplan wird wohl unter Auflagen genehmigt
EU will Alitalia erneut grünes Licht geben

Die seit Jahren um ihre Existenz kämpfende Fluggesellschaft Alitalia könnte dem drohenden finanziellen Aus noch einmal entgehen. Nach Informationen mehrerer Wirtschaftsagenturen wird die EU-Kommission den umstrittenen Sanierungsplan in dieser Woche genehmigen. Er sieht eine rettende Kapitalerhöhung über 1,2 Mrd. Euro sowie die Aufspaltung der Alitalia in die AZ Fly und AZ Service vor.

HB FRANKFURT/M. Die EU-Entscheidung werde allerdings an strenge Auflagen geknüpft, hieß es in Kommissionskreisen: So müsse die Deutsche Bank eine Garantie für die Kapitalerhöhung geben. Sie dürfte sich auch dann nicht von der Garantie zurückziehen, wenn nicht genügend Investoren gefunden würden.

Ein Sprecher von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot bestätigte bisher lediglich, dass morgen über den Alitalia-Umstrukturierungsplan entschieden werden soll. Die Airline-Konkurrenz läuft Sturm gegen den neuen Rettungsversuch, weil Alitalia in der Vergangenheit bereits mehrfach und milliardenschwer subventioniert wurde.

Acht europäische Fluglinien, darunter Lufthansa, British Airways, Iberia und die deutsche Tui-Tochter Hapag-Lloyd Flug, führen in einem Beschwerdebrief an, dass die Kommission bei der Prüfung des Sanierungsplans zu stark auf die Senkung des 62-prozentigen Staatsanteils abhebe: Dies schütze „keineswegs vor neuerlichen Subventionen“, heißt es. Vor allem die geplante 49-Prozent-Beteiligung der italienischen Staats-Holding Fintecna an der neuen AZ Service macht die Wettbewerber stutzig. Sie fürchten, dass dort die wertlosen Teile des Konzerns gebündelt und durch die Hintertür neue Verluste auf den Staat transferiert werden.

Die flüssigen Mittel der Alitalia wurden letztmals Ende Februar mit 70 Mill. Euro bekannt gegeben. Der Verlust im Vorjahr betrug nahezu 850 Mill. Euro. Ein Rettungskredit über 400 Mill. Euro, den Dresdner Kleinwort Wasserstein im Oktober 2004 gewährt hatte, wurde nach jüngsten Meldungen bereits mit 155 Mill. Euro in Anspruch genommen. Ohne den Überbrückungskredit wäre Alitalia bereits zahlungsunfähig. Das vom italienischen Staat garantierte Darlehen muss im Herbst 2005 zurückgezahlt werden.

Trotz der schier aussichtslosen Lage bleibt die Streikbereitschaft der Gewerkschaften unverändert hoch. Mit einer erneuten Arbeitsniederlegung Mitte April hatte das Alitalia-Kabinenpersonal vier Stunden lang das eigene Unternehmen lahmgelegt. Alitalia musste rund 13 000 Passagiere am Boden lassen.

Die Konkurrenz profitiert von der Schwäche des Heimat-Carriers. Im Norden Italiens expandiert die Lufthansa mit ihrer Regional-Tochter Air Dolomiti. Der italienische Lufthansa-Partner Air One operiert ebenfalls auf wichtigen Alitalia-Strecken. Zudem wird Alitalia vom irischen Billigflieger Ryanair bekämpft, der die Flugpreise in Italien schwer unter Druck setzt: Inzwischen bietet Ryanair bereits inneritalienische Flüge von Rom nach Venedig, Verona und Sardinien an.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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