Sanierungsprogramm für angeschlagenen Autohersteller
Showdown für Chrysler

Für den angeschlagenen US-Autobauer Chrysler schlägt die Stunde der Wahrheit. Demnächst werden Details des Sanierungsprogramms veröffentlicht. Erneute Produktionskürzungen kündigen tiefe Einschnitte an. Tausende Mitarbeiter werden wahrscheinlich entlassen.

FRANKFURT / NEW YORK. Nach einer außerordentlichen Sitzung des Daimler-Aufsichtsrats am Firmensitz in Auburn Hills am späten Dienstagabend wird Konzernchef Dieter Zetsche am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz das neue Sanierungskonzept für die US-Sparte von Daimler-Chrysler vorlegen. Es sieht erneut einen deutlichen Stellenabbau vor, obwohl Zetsche bereits einige Jahre zuvor mehr als 40 000 Chrysler-Jobs gestrichen hat. Die erstmalige Präsentation der Daimler-Jahreszahlen in den USA – von Zetsche als symbolträchtige Geste der Zusammengehörigkeit geplant – wird damit unversehens zum Showdown für den kriselnden US-Hersteller. Seit der Fusion mit Daimler-Benz 1998 steht Chrysler am Ende eines Jahres zum dritten Mal mit roten Zahlen da.

Eine durchgreifende Sanierung halten Analysten für unausweichlich: Mehrere Werke werden voraussichtlich geschlossen und mehr als 10 000 der verbliebenen 83 000 Stellen in den USA gestrichen. Der Konzern selbst verweigert bislang zwar jeden Kommentar zu den Spekulationen. Doch in US-Gewerkschaftskreisen ist bereits – in Anlehnung an den wahrscheinlich von Gangsterboss Al Capone ausgelösten Bandenmord 1929 in Chicago – makaber vom „Valentinstag-Massaker“ die Rede. Deutliche Hinweise auf die nächste Kürzungsrunde bei Chrysler gibt es bereits aus der Produktion: Als Reaktion auf dramatisch hohe Lagerbestände hat Chrysler zuletzt in mehreren Fabriken den Takt gedrosselt. Vorstandschef Tom LaSorda versuchte frustrierte Auto-Händler mit dem Hinweis zu beruhigen, man habe im Januar weitere signifikante Produktionskürzungen vorgenommen. Informationen von Autodata zufolge saß Chrysler zum Jahresende auf einem Bestand von 538 000 Fahrzeugen, das sind gut 200 000 Autos mehr als etwa bei Toyota.

Zu hohe Kosten, unattraktive Modelle und die Abhängigkeit vom hart umkämpften US-Markt ließen Chrysler 2006 voraussichtlich mit etwa einer Mrd. Euro in die Verlustzone rutschen. Nur gut 16 Monate nach der Beförderung von Ex-Chrysler-Chef Zetsche auf den Konzern-Chefsessel treten die Probleme wieder offen zu Tage. Spritschluckende Autos, die den Großteil der Modellpalette ausmachen, sind in den USA wegen hoher Benzinpreise deutlich auf dem Rückzug. Diesen Trend hat der Hersteller, zu dem auch die Marken Jeep und Dodge gehören, verschlafen.

Anders als die Konkurrenten General Motors und Ford nannte Chrysler bisher keine Absatzprognose für 2007 – was Branchenbeobachter skeptisch stimmt. Die erneute Krise ist auch für Zetsche brisant, weil sein Ruf als erfolgreicher Sanierer auf dem Spiel steht. Analysten sind skeptisch, ob der intern „Projekt X“ genannte Plan ein Befreiungsschlag wird: Daimler werde „einen simplen Kostensenkungsplan für Chrysler vorlegen, mehr nicht“, schreibt die Investmentbank UBS in einem Report. Offiziell werde das Sanierungsprogramm eine engere Verzahnung von Mercedes und Chrysler – anders als von vielen in Detroit gewünscht – nicht beinhalten, heißt es aus Stuttgart. Zwar arbeitet der Konzern hinter den Kulissen an einer engeren Kooperation, doch niemand möchte dies an die große Glocke hängen.

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