Sanitärhersteller streicht 1 200 Stellen
Grohe verordnet sich harten Sparkurs

Nach einem hohen Verlust im vergangenen Jahr will der von US-Investoren kontrollierte Badarmaturen-Hersteller Grohe 943 Mitarbeiter entlassen. Weitere 240 Stellen sollten bis Ende 2006 durch altersbedingtes Ausscheiden wegfallen, kündigte Vorstandschef David Haines in Düsseldorf an.

DÜSSELDORF. Damit fällt der Stellenabbau geringer aus als erwartet. Ursprünglich hatte das Management den Abbau von 3 000 Stellen erwogen. Danach wird Grohe künftig im Inland noch 3 000 Personen beschäftigen. Im Ausland ist ein Stellenaufbau von derzeit 1 570 auf knapp 2 100 geplant, da Teile der Produktion nach Portugal und Thailand verlagert werden.

Außer dem bereits verkündeten Aus für das Werk Herzberg in Brandenburg wird kein Werk geschlossen. Diese Einigung präsentierten gestern Vorstand und Betriebsrat des Unternehmens mit Sitz in Hemer im Sauerland auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, nachdem sie um 4 Uhr 36 in der Frühe eine Einigung erzielt hatten.

Das einstige Familienunternehmen Grohe hatte in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt, als der neue Vorstand angekündigt hatte, durch ein Sanierungsprogramm 150 Mill. Euro sparen zu wollen. Die Unternehmensberatung McKinsey hatte zunächst vorgeschlagen, vier der fünf inländischen Werke zu schließen und die Produktion ins Ausland zu verlegen. Da Grohe im Sommer 2004 vom Finanzinvestor BC Partners an die Investorengruppe Texas Pacific und CSFB Private Equity verkauft worden war, kam die Befürchtung auf, die ausländischen Fonds wollten Grohe aussaugen.

Die neuen Eigentümer hatten einen Teil des Kaufpreises über Kredite finanziert, die das Unternehmen jetzt zurückzahlen muss. Grohe-Chef Haines widersprach der Vermutung der IG Metall, dass die hohen Zinsen hierfür den Arbeitsplatzabbau ausgelöst hätten. Die Zinsen seien 2005 nur 20 Mill. Euro höher als früher und machten lediglich 2,5 Prozent der Gesamtkosten aus. "Die Zinszahlungen hatten keinen Einfluss auf das operative Geschäft", sagte Haines. Das Ebitda habe auf der Höhe des Vorjahres gelegen. Haines bestätigte aber, dass der Gesamtverlust bei Grohe 2004 "ungleich größer" war als die 30 Mill. Euro im Jahr davor und dass er im dreistelligen Millionenbereich liege. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen. Der Konzernumsatz stieg 2004 um 2,5 Prozent auf 911 Mill. Euro.

Der Konzern-Betriebsratsvorsitzende Peter Paulokat sagte, dass man einen exzellenten Sozialplan für die Beschäftigten erreicht habe. Das in eigener Regie in Auftrag gegebene Gutachten habe wesentlich dazu beigetragen, die Zahl der Kündigungen unter 3 000 zu halten.

Neben dem Stellenabbau sieht das jetzt beschlossene Sparpaket aber auch Investitionen vor. So will der Vorstand in den nächsten vier Jahren 200 Mill. Euro investieren, davon zwei Drittel in Deutschland. So wird ein neues Designzentrum erwogen, das auch die Konzernzentrale beherbergen könnte. Als Standort ist Düsseldorf im Gespräch.

Investiert werden soll auch in die Märkte Nordamerika und Großbritannien, wo Haines noch erhebliche Chancen sieht. Derzeit erwirtschafte Grohe 80 Prozent des Umsatzes und 80 Prozent der Ergebnisse im Ausland, fertige dort aber nur 20 Prozent seiner Produkte.

Das Sparpaket im Überblick

Personal: An den Standorten Hemer, Lahr und Herzberg gibt es insgesamt 943 Kündigungen. Zusätzlich scheiden 297 Mitarbeiter auf freiwilliger Basis aus. Dies soll 50 Mill. Euro einsparen.

Einkauf: Die Zahl der Lieferanten soll von 7 500 auf 1 500 reduziert werden: Einsparpotenzial 70 Mill. Euro.

Produkte: Grohe strafft das Sortiment von jetzt 17 000 auf 6 000 Artikel. Auf die wegfallenden Produkte entfiel bisher ein Umsatzanteil von weniger als einem Prozent.

Logistik: Bisher hat Grohe 14 Logistikzentren. Künftig will das Unternehmen mit drei bis vier auskommen und so zehn Mill. Euro einsparen.

Verwaltung: Hier sollen 20 Mill. Euro gespart werden.

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