Sanktionen gegen Russland
Deutsche Firmen in Sorge vor Sanktionen

Die meisten deutschen Unternehmen sind von den geplanten EU-Sanktionen gegen Russland nicht direkt betroffen. Indirekt spüren sie die Auswirkungen sehr wohl. Nicht nur im Maschinenbau sorgt man sich um sinkende Umsätze.
  • 1

Mulfingen/OstfildernDie Spannungen zwischen der Europäischen Union und Russland haben beim Ventilatoren-Hersteller Ebm-Papst längst Spuren hinterlassen. Seit Juni seien die Umsätze nach Russland um 15 Prozent eingebrochen, sagte ein Sprecher der Firma mit Sitz im baden-württembergischen Mulfingen am Mittwoch. „Wir gehen davon aus, dass es noch schlimmer wird.“

Ernst wird es für Ebm-Papst noch nicht. Nur ein zweistelliger Millionenbetrag des Jahresumsatzes von 1,5 Milliarden Euro stammt aus Russland. Trotzdem: „Wir gehen davon aus, dass auch Aufträge von europäischen Kunden sinken werden, die an Russland liefern“, so der Sprecher. Betroffen seien vor allem Ventilatoren für Klimatechnik.

Ein Ende der schwierigen Lage ist aktuell nicht absehbar. Im Gegenteil: Die Botschafter der 28 EU-Mitgliedstaaten hatten sich am Dienstag auf ein Paket von Strafmaßnahmen geeinigt, die bis Donnerstag förmlich von den Regierungen gebilligt werden müssen. Dazu gehören laut Diplomaten der erschwerte Zugang zu den EU-Finanzmärkten für russische Banken, ein Verbot von künftigen Rüstungslieferungen, ein Exportverbot für bestimmte Hochtechnologiegüter an das russische Militär und Ausfuhrverbote für Spezialtechnik zur Ölförderung.

Wie konkret sich die Sanktionen auswirken werden, könne noch nicht beziffert werden, hieß es bei Commerzbank und Deutscher Bank. Auch bei der BASF-Tochter Wintershall, die unter anderem an Gasprojekten in Sibirien und Südrussland beteiligt ist, sind mögliche Folgen noch nicht absehbar. „Von den bislang beschlossenen Sanktionen der Europäischen Union ist Wintershall nicht betroffen“, sagte eine Sprecherin. „Wenn neue Sanktionen verabschiedet werden, prüfen wir natürlich ob und wie diese uns eventuell betreffen.“

Unklar sind aber vor allem die Folgen für Firmen, die sogenannte „dual-use“-Produkte herstellen, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können. Nach Angaben des Maschinenbauverbands VDMA sind im Bundeswirtschaftsministerium bereits jetzt 70 bis 100 Aufträge für „dual-use“-Güter aufgelaufen, weil geprüft werden muss, ob die beteiligten russischen Firmen diese für militärische oder friedliche Zwecke nutzen.

Seite 1:

Deutsche Firmen in Sorge vor Sanktionen

Seite 2:

Betriebe in Ostdeutschland werden besonders getroffen

Kommentare zu " Sanktionen gegen Russland: Deutsche Firmen in Sorge vor Sanktionen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Warum haben deutsche Unternehmen so viel Kapital in ein unsicheres Rechts- und Wirtschaftssystem wie die RF investiert? Und warum beklagen sie sich?
    Das ist das unternehmerische Risiko, das jedes Unternehmen zu tragen hat.
    Das politische Risiko wurde von den in der RF engagierten Unternehmen völlig ausgeblendet. Waren es die Gier nach guten Geschäften und "billigen" Rohstoffen, die Aussicht auf gute und wohlfeile Gewinne?
    "Billig" sind Freiheit, Frieden, Sicherheit und Wohlstand nicht zu haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%