Sanktionspolitik: Thyssen-Krupp stoppt Geschäft mit dem Iran

Sanktionspolitik
Thyssen-Krupp stoppt Geschäft mit dem Iran

Thyssen-Krupp zieht die Konsequenzen aus der iranischen Politik und unterstützt die Sanktionen der EU und der USA: Der größte deutsche Stahlkonzern stoppt sämtliche Geschäfte mit dem Iran.
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HB DÜSSELDORF. Der größte deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp stoppt sämtliche Geschäfte mit dem Iran. Das Unternehmen unterstütze damit die Sanktionspolitik Deutschlands, der EU und der USA, erklärte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Donnerstag. Es würden keine neuen Geschäfte mit Kunden des Landes - das einst selbst an ThyssenKrupp beteiligt war - abgeschlossen. Von iranischen Beteiligungen werde sich Thyssen-Krupp so schnell wie möglich trennen.

Dem Iran wird vorgeworfen, heimlich an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Die Führung der Islamischen Republik hat dies zurückgewiesen. Im Juni verschärfte der UN-Sicherheitsrat seine Sanktionen gegen den Iran verschärft. Die USA und die EU haben darüber hinaus weitere Schritte gegen iranische Firmen eingeleitet.

Das Iran-Geschäft von ThyssenKrupp trug nach Angaben eines Firmensprechers im Geschäftsjahr 2008/2009 (zum 30. September 2009) weniger als 0,5 Prozent zum Gesamtumsatz von ThyssenKrupp in Höhe von 40,6 Mrd. Euro bei. Der größte Teil der in der Islamischen Republik noch laufenden Aktivitäten betreffe Ingenieur-Dienstleistungen für Zementwerke.

Am Vorabend der Entscheidung von Thyssen-Krupp hatten die Außenminister der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats und Deutschlands den Iran zu neuen Gesprächen im Atomstreit aufgefordert. Es gehe jetzt um die Frage, wie man nach den Sanktionen den Iran zum Dialog und zur Kooperation zurückbringen könne, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in New York.

Vonseiten des Irans gebe es zudem mehrfach Signale und „vage Äußerungen“, dass die Verhandlungen nach dem Fastenmonat Ramadan wieder aufgenommen werden sollten. Die Völkergemeinschaft erwarte nun die Rückkehr des Landes zum Dialog. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wurde am Donnerstag als Redner vor der Vollversammlung der 192 UN-Mitglieder erwartet.

Deutsche Konzerne haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr aus dem Land zurückgezogen: Daimler hatte im April angekündigt, sein Engagement im Iran auf ein Minimum zurückzufahren. Zuvor hatten bereits die Münchner Rück, Linde und die Allianz ihren Abzug erklärt. Siemens kündigte im Januar an, keine Neuaufträge aus dem Iran mehr anzunehmen.

Auch zahlreiche ausländische Konzerne haben ihr Iran-Engagement heruntergefahren oder beendet. Dazu gehören vor allem Mineralölkonzerne wie BP, Royal Dutch Shell oder Total. Dagegen halten vornehmlich russische und chinesische Firmen am Geschäft mit der Islamischen Republik fest. Unter ihnen sind die russischen Energie-Giganten Lukoil und Gazprom.

Ausländische Firmen, vor allem Autobauer aus Frankreich wie Renault und Peugeot, weiten ihre Geschäft derweil aus. Auch der deutsche Pharmakonzern Bayer bleibt bei seinem Engagement im Iran – wie so viele anderen Unternehmen weltweit.

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