Sarkozy gegen schnelle Privatisierung
Fusion von Suez und GDF steht auf der Kippe

Die Fusion zwischen den beiden französischen Versorgern Suez und Gaz de France (GDF) droht an politischem Widerstand zu scheitern. Gestern sprach sich der französische Innenminister und Chef der Regierungspartei UMP, Nicolas Sarkozy, gegen eine schnelle Privatisierung von GDF aus. Diese ist jedoch unabdingbare Voraussetzung für eine Fusion mit Suez.

PARIS. Sarkozy hat bei einem Treffen der Führungskräfte des Regierungslagers als Alternative vorgeschlagen, dass beide Konzerne zunächst eine Überkreuzbeteiligung eingehen sollten, sagte Bernard Accoyer, Fraktionschef der UMP zur französischen Zeitung „La Tribune“. „Eine Fusion ist nicht die einzige Lösung“, wird Sarkozy zitiert.

Sarkozys Meinung ist angesichts seines Einflusses auf die Abgeordneten der Regierungsfraktion von entscheidender Bedeutung. Diese kritisieren seit längerem, dass die Regierung noch vor dem Sommer ein Gesetz durchpeitschen will, das die Privatisierung von GDF erlauben und so die Fusion mit Suez ermöglichen soll. Die Abgeordneten müssen sich im kommenden Frühjahr der Wiederwahl stellen. Angesichts steigender Energiepreise ist die GDF-Privatisierung unpopulär. Eine Verzögerung aber würde das gesamte Fusionsprojekt von Suez und Gaz de France in Frage stellen. „Nur durch eine Überkreuzbeteiligung lassen sich die anvisierten Synergien von 1,1 Milliarden Euro nicht realisieren“, sagt Julien Picard, Analyst des Pariser Brokers Fideuram Wargny.

Der Strom- und Wasserversorger Suez wollte mit dem Gasversorger GDF fusionieren, um unter anderem die Energie-Einkäufe zu bündeln. Ferner sollte die Investitionspolitik abgestimmt werden. GDF wollte die Vorgänge nicht kommentieren. Von Suez lag bis Redaktionsschluss keine Reaktion vor.

Im Februar hatte Regierungschef Dominique de Villepin überraschend die Fusion von GDF und Suez angekündigt. Da sich zu dieser Zeit der italienische Versorger Enel für Suez interessierte, gilt das Fusionsprojekt auch als Abwehrmaßnahme, um Suez dem Zugriff der Italiener zu entziehen.

„Auch das Ziel des Übernahmeschutzes für Suez ist durch eine Überkreuz-Beteiligung in Frage gestellt“, sagt Experte Picard. Noch ist unklar, in welcher Höhe beide Konzerne die Beteiligung eingehen sollen. Um Suez wirklich vor dem Zugriff Enels zu schützen, müsste GDF 33 Prozent und damit die Sperrminorität nach französischem Recht erwerben.

Mehrere UMP-Parlamentarier bekräftigen zwar, dass sie „die Fusion nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag“ verschieben wollten. Es ginge lediglich darum, das Projekt in Ruhe zu beraten und nicht überhastet in einer Sondersitzung abzusegnen. Nach der Sommerpause dürfte indes der Wahlkampf um die Präsidentschaftswahlen, die für April 2007 geplant sind, vollends entbrennen. Ob in dieser aufgeheizten Atmosphäre ein politisch heikles Privatisierungsgesetz noch vom Parlament verabschiedet wird, kann bezweifelt werden.

Die steigende Unsicherheit spielt dem italienischen Versorger Enel in die Hände. Dieser scheint zwar zunächst vom Plan Abstand genommen zu haben, einen feindlichen Übernahme-Versuch für Suez zu starten. Der Hickhack um die Privatisierung öffnet für Enel indes ein Zeitfenster, um mit Hilfe der italienischen Regierung seinerseits über eine Beteiligung an Suez zu verhandeln.

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